<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd"
	xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"
>

<channel>
	<title>der metroprolet im exil &#187; poetik</title>
	<atom:link href="http://www.metroprolet.net/wordpress/category/poetik/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.metroprolet.net/wordpress</link>
	<description>lumen und lucht - eine nicht manifeste maschine</description>
	<lastBuildDate>Mon, 22 Feb 2010 17:40:46 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.1</generator>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
		<!-- podcast_generator="podPress/8.8" - maintenance_release="8.8.4" -->
		<copyright>Copyright &#xA9; 2010 der metroprolet im exil </copyright>
		<managingEditor>metroprolet@metroprolet.net (der metroprolet im exil)</managingEditor>
		<webMaster>metroprolet@metroprolet.net (der metroprolet im exil)</webMaster>
		<category>lyrik</category>
		<ttl>1440</ttl>
		<itunes:keywords>lyrik, text, poetologie, literatur</itunes:keywords>
		<itunes:subtitle>lumen und lucht
eine nicht manifeste maschine</itunes:subtitle>
		<itunes:summary>lumen und lucht - eine nicht manifeste maschine</itunes:summary>
		<itunes:author>der metroprolet im exil</itunes:author>
		<itunes:category text="Arts"/>
<itunes:category text="Society &amp; Culture"/>
<itunes:category text="Arts">
	<itunes:category text="Literature"/>
</itunes:category>
		<itunes:owner>
			<itunes:name>der metroprolet im exil</itunes:name>
			<itunes:email>metroprolet@metroprolet.net</itunes:email>
		</itunes:owner>
		<itunes:block>No</itunes:block>
		<itunes:explicit>no</itunes:explicit>
		<itunes:image href="http://www.metroprolet.net/wordpress/wp-content/plugins/podpress/images/powered_by_podpress_large.jpg" />
		<image>
			<url>http://www.metroprolet.net/wordpress/wp-content/plugins/podpress/images/podcastmp.gif</url>
			<title>der metroprolet im exil</title>
			<link>http://www.metroprolet.net/wordpress</link>
			<width>144</width>
			<height>144</height>
		</image>
		<item>
		<title>Sturm im Wasserglas von Ron Winkler</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/sturm-im-wasserglas</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/sturm-im-wasserglas#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 13 Apr 2009 08:34:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron Winkler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[K & K]]></category>
		<category><![CDATA[aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[poetik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.metroprolet.net/wordpress/?p=917</guid>
		<description><![CDATA[Eine schon etwas aeltere &#8211; aber immer noch eine schoene Einlassung von Ron Winkler zur aktuellen Kritik an der aktuellen Lyriklandschaft&#8230;
Sturm im Wasserglas

In jüngster Zeit ist immer wieder behauptet worden, die zeitgenössische Lyrik junger deutschsprachiger AutorInnen geriere sich zum einen hinsichtlich ihres (natürlich von Selbstüberschätzung geprägten) Stellenwerts aufdringlich und anmaßend, zum anderen seien dort, wo es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="title">Eine schon etwas aeltere &#8211; aber immer noch eine schoene Einlassung von Ron Winkler zur aktuellen Kritik an der aktuellen Lyriklandschaft&#8230;</p>
<h2 class="title"><a title="Permanent-Link zu Sturm im Wasserglas" rel="bookmark" href="http://ronwinkler.wordpress.com/2009/03/23/sturm-im-wasserglas/">Sturm im Wasserglas</a></h2>
<div class="snap_preview">
<p>In jüngster Zeit ist immer wieder behauptet worden, die zeitgenössische Lyrik junger deutschsprachiger AutorInnen geriere sich zum einen hinsichtlich ihres (natürlich von Selbstüberschätzung geprägten) Stellenwerts aufdringlich und anmaßend, zum anderen seien dort, wo es gemeinsame Auftritte gibt, kalkuliert verdrängerische Absichten am Werk. Michael Braun postulierte zuletzt einen <a href="http://www.poetenladen.de/michael-braun-zeitschriftenlese-maerz09.htm" target="_blank"><em>flachsinnigen Kult um die sogenannte Junge Lyrik</em></a>, und Andreas Heidtmann, Herausgeber des Magazins <em>poet</em>, meinte in seinem <a href="http://www.poetenladen-der-verlag.de/poetmag.php" target="_blank">Editorial</a> in jovialem Ton, dass <em>die Jungen sich selbst feiern</em> würden, dies aber okay sei, um <em>ein Quäntchen Aufmerksamkeit im Medienbetrieb</em> zu erlangen.<br />
Auf Basis einer sich aus sich selbst speisenden, nun ja, <em>Debatte</em>, wird jungen DichterInnen ein <a href="http://matthiaskehle.blogspot.com/2009/03/anthologienstreit-teil-2.html" target="_blank"><em>übersteigertes Geltungs- und Publikationsbedürfnis</em> (Matthias Kehle) </a>unterstellt, ohne dass je genau benannt, geschweige denn ausdifferenziert wird, was denn nun genau zu verurteilen ist — außer dass möglicherweise Vernetzungsstrukturen und gemeinsame Projekte junger AutorInnen nicht absolut mehr Aufmerksamkeit schaffen, sondern an anderer Stelle Aufmerksamkeit entziehen, was, abgesehen von der Kühnheit der These, ganz klar nicht der nun(mal) so gelabelten <em>Jungen Lyrik</em> angelastet werden kann.<br />
Dass ein kleiner Hallraum, wie es die Lyrik einer ist, bei drohender Gefahr weiterer Segmentalisierung zu Überkompensationen und kritischen Übersprungshandlungen führt, ist nachvollziehbar. Schwer erträglich allerdings sind pauschalisierende atavistische Ressentiments gegenüber Autoren (ob nun im Einzelnen oder in ihrer Gesamtheit), die ihre ersten Auftritte in der Öffentlichkeit haben.<br />
In Stellung gebracht werden die subtilen Anwürfe vor allem gegen vorwiegend generationsbezogen arbeitende Literaturzeitschriften, Verlage und Anthologien.<br />
Dabei wird überhaupt nicht erst in Betracht gezogen, dass Unternehmungen, deren Aufmerksamkeit insbesondere den Texten nachrückender AutorInnen gilt, andere als vielleicht <em>kapriziöse</em> Motive oder isolationistische Absichten haben — nämlich dass sie eigentlich der Lust an den Arbeiten von GenerationskollegInnen entspringen. (Ein keineswegs neues ›Modell‹.)<br />
kookbooks, LAN-Festival, EDIT und Connewitzer Verlagsbuchhandlung, um nur einige zu nennen, sind (trotz der Fülle an Angeboten) wichtige Vorfilter, Testgelände, Plateaus für den Artenreichtum der literarischen Subspezies <em>Poesie</em>. Dass durch sie vielleicht auch weniger talentierte AutorInnen zu weiterer Präsenzlust angeregt werden, würde allerdings auch die Abschaffung ebendieser Angebote nicht ändern können.<br />
Dass zum Beispiel <em>BELLA triste</em> in größerem Ausmaß die Trommel für die Generation der <em>emerging poets</em> gerührt hat, ist auch dem Umstand geschuldet, dass es bezüglich der Außenwirkung (Stichwort: Feuilleton) enorme Defizite gab und gibt.<br />
Was auch gern ›übersehen‹ wird: Anthologien mit dem Fokus auf Texte junger Dichter, allen voran <em>Lyrik von Jetzt</em>, stellen im Prinzip nur sinnvollere Bündelungen dar als diejenigen Anthologien, die ihren BeiträgerInnenbestand unter einem Rubrum wie <em>Gartenlyrik</em>, <em>Jahreszeitenpoesie</em> oder <em>Das Mondgedicht</em> zusammenraffen.<br />
So weit mir bekannt ist, wurde nirgends eine per-se-Huldigung der Lyrik junger AutorInnen eingefordert. Nirgendwo wurde insistiert, dass außerhalb gewisser Altersstufen Dichtung nicht mehr neu, jung, oder von jetzt sei.<br />
Man sehe den Initiativen der <em>jungen Leute</em> (Gerhard Falkner) den gelegentlichen Happeningcharakter nach. Die gewählten Verpackungen sind einfach Formen des Jetzt (bzw. des ›Jetzt‹). Sie verpacken, wie Gunther Nickel sagt, nicht weniger als ein <em>reiches Arsenal</em> an Poesien für jetzt und später.</p>
<p>~ von ronwinkler am 23. März 2009.<br />
origal gepostet auf seinem blog unter <a href="http://ronwinkler.wordpress.com/2009/03/23/sturm-im-wasserglas/" target="_blank">http://ronwinkler.wordpress.com/2009/03/23/sturm-im-wasserglas/</a></div>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/sturm-im-wasserglas/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>des metroproleten beitrag zur poetologischen inflation</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/des-metroproleten-beitrag-zur-poetologischen-inflation</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/des-metroproleten-beitrag-zur-poetologischen-inflation#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 08 Mar 2009 09:28:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>der metroprolet</dc:creator>
				<category><![CDATA[K & K]]></category>
		<category><![CDATA[aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[poetik]]></category>
		<category><![CDATA[Art]]></category>
		<category><![CDATA[Jonathan Meese]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.metroprolet.net/wordpress/?p=744</guid>
		<description><![CDATA[Video: Jonathan Meese
selbstreinigung &#8211; original:
http://www.berlinerkunstkontakter.de/meese_selbstreinigung.php
Jonathan Meese &#124; Volksbühne Berlin &#124; Ostern 2007
statt einer weiteren verzichtbaren poetologie.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Video: Jonathan Meese<br />
selbstreinigung &#8211; original:<br />
<a href="http://www.berlinerkunstkontakter.de/meese_selbstreinigung.php" target="_blank">http://www.berlinerkunstkontakter.de/meese_selbstreinigung.php</a><br />
Jonathan Meese | Volksbühne Berlin | Ostern 2007<br />
statt einer weiteren verzichtbaren poetologie.</p>
<p><span id="more-744"></span></p>
<h3></h3>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/des-metroproleten-beitrag-zur-poetologischen-inflation/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		<enclosure url="http://www.metroprolet.net/wordpress/podpress_trac/feed/744/0/meese_osterselbstreinigung.flv" length="40689451" type="video/flv"/>
<itunes:duration>10:36</itunes:duration>
		<itunes:subtitle>Video: Jonathan Meese
selbstreinigung - original:
http://www.berlinerkunstkontakter.de/meese_selbstreinigung.php
Jonathan Meese #124; Volksbuuml;hne Berlin #124; Ostern 2007
statt einer weiteren verzichtbaren poetologie.


 </itunes:subtitle>
		<itunes:summary>Video: Jonathan Meese
selbstreinigung - original:
http://www.berlinerkunstkontakter.de/meese_selbstreinigung.php
Jonathan Meese #124; Volksbuuml;hne Berlin #124; Ostern 2007
statt einer weiteren verzichtbaren poetologie.


</itunes:summary>
		<itunes:keywords>K,,K,,aktuell,,poetik</itunes:keywords>
		<itunes:author>der metroprolet im exil</itunes:author>
		<itunes:explicit>no</itunes:explicit>
		<itunes:block>No</itunes:block>
	</item>
		<item>
		<title>zu den poetiken</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/zu-den-poetiken</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/zu-den-poetiken#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 09 Jan 2009 11:28:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>der metroprolet</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.metroprolet.net/wordpress/?p=757</guid>
		<description><![CDATA[Das ist der Stand der Poetiken, die der metroprolet seinerzeit (1999- 2003) als poetik 2001 noch auf metroprolet.de beheimatete und für die er Verantwortlich zeichnet. Wahrscheinlich war dies die erste poetologische Reihe, die unterdes allenthalben zu einem beinahe inflationären Diskurs um des reinen Diskurses willen stattzuhaben scheint . Mit den neu hinzu gekommenen Poetiken auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das ist der Stand der Poetiken, die der metroprolet seinerzeit (1999- 2003) als poetik 2001 noch auf metroprolet.de beheimatete und für die er Verantwortlich zeichnet. Wahrscheinlich war dies die erste poetologische Reihe, die unterdes allenthalben zu einem beinahe inflationären Diskurs um des reinen Diskurses willen stattzuhaben scheint . Mit den neu hinzu gekommenen Poetiken auf lauter niemand hat der metroprolet nichts mehr zu tun.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/zu-den-poetiken/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>apotheose</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/apotheose</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/apotheose#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 06 May 2004 17:03:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ernesto Castillo</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/apotheose/</guid>
		<description><![CDATA[die handvoll apotheosen (keine poetik)
–: das gedicht macht weiter. überbordendes, daseinsparlando. man geht durch eine bar. man lernt ein mädchen kennen. man geht vorüber. was solls. alle die seelig gesprochenen namen. eine biografie, ein geschwätz mehr. das ewig dröhnende: ich – und keine pause in sicht –: die maschine ich, das licht ich, der lärm [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>die handvoll apotheosen (keine poetik)</p>
<p>–: das gedicht macht weiter. überbordendes, daseinsparlando. man geht durch eine bar. man lernt ein mädchen kennen. man geht vorüber. was solls. alle die seelig gesprochenen namen. eine biografie, ein geschwätz mehr. das ewig dröhnende: ich – und keine pause in sicht –: die maschine ich, das licht ich, der lärm ich, der gestank ich, der fick, die zeitungen, die geschichten, die waschbecken ich die hand an deiner brust, das bier und die sonne, …</p>
<p>-: das gedicht ich -: lyriker, taufbeckenprofis, übersetzungsprobleme. und drunter ist drüber. kein fleisch, keine knochen, hübsch geschminkte anämie. hülle geworden, zeichensetzung. numer, widmung, ornament<br />
…</p>
<p>-: das gedicht führt nirgenwo hin. es führt zu gar nichts. ein wort ist kein bild. ein bild ist kein gedicht. ein gedicht ist keine lösung. wer das nicht begreift, braucht keine gedichte<br />
…</p>
<p>-: das gedicht braucht keine biografie. der dichter braucht biografie, der leser braucht biografie. und schon schleicht das eine verständnis auf ewig sich ein. ah -: das gedicht der kurzschluss, der moment, in dessen überschlag sich beides<br />
…</p>
<p>-: das gedicht braucht das gegenteil. das gedicht braucht gar nichts. “kein himmel ist, keine erde und beider gedächtnis gelöscht, bis auf den einen eschengläubigen blauspecht” weltesche, ygdrassil bis in die zehnte sephira &#8211; hinab und hinauf -:  metageebnetes, alltägliches, nichts… später dann –: gesammelte spasmen, blutauswurf, eine kurze erregung nachts im park<br />
…</p>
<p>~GetWIKI(Apotheose)~</p>
<p><!--post2pdf_exclude--></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/apotheose/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Gedichte wachsen in Ausschnitten von &#8230;</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/gedichte-wachsen-in-ausschnitten-von</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/gedichte-wachsen-in-ausschnitten-von#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 08 Oct 2003 23:10:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Birte Wolmeyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/gedichte-wachsen-in-ausschnitten-von/</guid>
		<description><![CDATA[außen.
Gedichte sind die Plastiken, von denen man glaubt, sie seien Skulpturen.
Sie sind flüchtige, gierige Gebilde, sind die Wunderkugeln am Kiosk, mit leuchtenden, wechselnden Farben und einem manchmal zähen Kaugummi im Inneren, von dem man nicht weiß, ob sein Geschmack in ihm, im mahlenden Esser oder sonstwo liegt.
Dichtung plappert, zitiert, einem Papagei ähnlich, der tatsächlich sprechen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>außen.<br />
Gedichte sind die Plastiken, von denen man glaubt, sie seien Skulpturen.<br />
Sie sind flüchtige, gierige Gebilde, sind die Wunderkugeln am Kiosk, mit leuchtenden, wechselnden Farben und einem manchmal zähen Kaugummi im Inneren, von dem man nicht weiß, ob sein Geschmack in ihm, im mahlenden Esser oder sonstwo liegt.<br />
Dichtung plappert, zitiert, einem Papagei ähnlich, der tatsächlich sprechen kann.<br />
Das Geheimnis, das jeder kennt und jedes Gedicht verrät.<br />
Dort birgt sie ihre Zeilen und bohrt sich ein.</p>
<p>innen.<br />
Mir fällt ein: manchmal verharren Ausschnitte auf Monitoren in mir, senden.<br />
Ich mische mich ein &#8211; reihe die Ausschnitte in meine Wahrnehmung.<br />
Dort nehmen sie einen Teil des Bildes unter den Stäbchen und Zäpfchen ein.<br />
Sie mengen sich in meinen Aktionsradius.<br />
Manchmal laufen sie davon. Das gefällt mir.<br />
Sie queren andere Radien und kehren ab und an zurück.<br />
Ich beobachte sie &#8211; mag es, wenn sie durch mehrere Hände gehen.<br />
Beim Lesen schreibe ich.</p>
<p>Reklame:<br />
Bitte besuchen Sie doch <a href="http://www.schneeameisenschau.de">www.schneeameisenschau.de</a>, dort gibts auch Texte.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/gedichte-wachsen-in-ausschnitten-von/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Grund</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/grund</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/grund#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 18 May 2003 10:46:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Einat Davidi</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">148508346</guid>
		<description><![CDATA[Es gibt keinen Grund, die Wahrheit zu entdecken
Es gibt keinen Grund, schön zu sprechen und Fehler zu vermeiden
Es gibt keinen Grund, schön zu schreiben und nicht von den Seiten abzuweichen
Es gibt keinen Grund, ein Synonymwörterbuch zu benutzen
Es gibt keinen Grund, vom einen Ufer zum anderen zu gehen. Die Wiese dort ist nicht grüner, und die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt keinen Grund, die Wahrheit zu entdecken<br />
Es gibt keinen Grund, schön zu sprechen und Fehler zu vermeiden<br />
Es gibt keinen Grund, schön zu schreiben und nicht von den Seiten abzuweichen<br />
Es gibt keinen Grund, ein Synonymwörterbuch zu benutzen<br />
Es gibt keinen Grund, vom einen Ufer zum anderen zu gehen. Die Wiese dort ist nicht grüner, und die Sonne ist sowieso dieselbe. Der Briefkasten ist leer und das i ist voll von mail. Also gibt es keinen Grund, noch einmal nachzusehen, denn die Welt dreht sich weiter in die gleiche Richtung.<br />
Es gibt keinen Grund, die Tür zu öffnen. Offene Türe werden in Zukunft geschlossen und es gibt keinen Grund, ihr Zuschlagen zu behindern. Hallo! Wie geht’s? Darf ich eine Zigarre anbieten? Schnaps? Zufällig habe ich hier einen Gedichtband. Gehst du schon? Danke schön. Es gibt keinen Grund, Artikelsammlungen, die bald in die Archäologie gehören, zu behalten. Es gibt keinen Grund, Sachen zu horten. Man kann eine Schamanenzeremonie vollziehen und sie feierlich verbrennen.<br />
Es gibt keinen Grund, jeden Satz mit demselben Wort zu beginnen, auch wenn es einen guten Grund dafür gibt. Es gibt keinen Grund, die Gründe für den Anfang jedes Satzes mit demselben Wort zu diskutieren. Es gibt keinen Grund, mit Konsonanten- und Verkehrsregeln streng zu sein, denn es ist klar, dass die Regeln den Massen gewidmet sind, die weder Vernunft besitzen noch Augen, nach rechts und links zu schauen.</p>
<p>Es gibt keinen Grund, die Fenster aufzuschließen und einen Dialog mit dem Zeitgeist zu führen. Es gibt keinen Grund, eine Spende für den Umbau einer Autobahn, die das Schutzgebiet nicht durchquert, zu geben. Eine alte Sprache wird da geschützt. Ihre letzten Sprecher sterben in diesem Augenblick und der einzige Gedichtband ist ein zahnloser Siebenundneunzigjähriger (Es gibt keinen Grund, ihm neue Zähne zu implantieren. Stattdessen kann man 20 kleine schwarze Kinder vom Hunger retten [Es gibt keinen Grund, das Wort schwarze durch ein anderes zu ersetzen]). Der alte wird auch ohne Zähne zu recht kommen, bis er mit der alten Sprache verendet. Mittlerweile isst er weiche Nahrung im Schutzgebiet. Es gibt keinen Grund, ihn für die nächsten Generationen aufzuzeichnen. Es gibt keinen Grund, weitere Generationen in die Welt zu setzen.<br />
Es gibt keinen Grund, von Anfang an zu addieren, zu sortieren, zu verkürzen oder auszuführen. Die Tür öffnet sich, Shabat kommt zu Besuch. Die Königin macht sich lustig über den Zahnlosen. Sie ist geschützt und braucht daher kein Schutzgebiet. Man braucht sie nicht aufzuzeichnen. Wenn sie redet, hört sie nicht mehr auf zu sprechen. (Und sie versteht keine Zeichen. Man muss warten bis sie geht. So ist sie; kommt und geht). Der Zahnlose schaut sie wunderlich an. Man braucht sie nicht abzuschaffen. Sie ist ja geschützt.<br />
Es gibt keinen Grund, richtig zu denken und überhaupt zu denken. Das Denken: das Handwerk der Massen; zwischen einer Handbewegung zur anderen finden sie Zeit Gründe zu finden, wobei die anderen, deren tägliches Brot Konsonant und Verkehr sind, sich keine Gedanken zu machen brauchen und keinen Grund haben, Shabat einzuladen oder auszuweisen.<br />
Es gibt keinen Grund, zu sammeln, aufzubewahren, aufzuzeichnen und Nachkömmlinge zu schaffen. Sie werden keinen Grund haben, es zu gebrauchen. Es gibt keinen Grund, den Kopf nach vorne, nach oben oder nach hinten zu wenden. Einen guten Grund haben, einen Dorn zu ziehen, eine Flasche Wein zu entkorken, einen Kuss auf die Wand zu kleben, den Atem anzuhalten:</p>
<p>1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11<br />
&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;<br />
&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;..<br />
.<br />
Der Zahnlose hört keine Musik, auch wenn er über ein paar seltene Aufnahmen verfügt. Er lässt die Luft lieber leer. Er bezieht sich auf die Menschen, die abwechselnd seinen Stamm ausrotten und ihn aufzeichnen, wie er sich auf die Naturkräfte bezieht. Wenn die Temperatur steigt, isst man Obst. Wenn die Temperatur sinkt, fügt man Kohle in den Ofen hinzu. Wenn es regnet, zieht man einen Regenmantel an und macht keine Vorwürfe derart: „ Du Regen, wieder hast du meine Wäsche befeuchtet!“. Der Mann, der keine Musik hört, beschwert sich nicht.<br />
Ab und zu kommt Zugluft herein: Der Mann lehnt sie nicht ab. Er spielt eine leichte Musik, nicht unbedingt eine seltene Aufnahme, und hört zu:<br />
„nicht nur Geist, sondern auch Körper“<br />
„nicht nur Wörter, sondern auch Dinge“<br />
„nicht nur theoretische Texte, sondern auch Literatur“<br />
„nicht nur das Auge, sondern auch die Stimme“<br />
„nicht nur das Machen, sondern auch das Nichtmachen“<br />
„nicht nur das Nützliche, sondern auch das Nichtnützliche“<br />
„nicht nur das Geplante sondern auch das Ungeplante“<br />
„nicht nur was hier ist, sondern auch das Nichthiersein“<br />
„nicht nur Grund, sondern auch Ungrund“</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/grund/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Gedanken zu einer b&#252;rgerliche Poetik.</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/gedanken-zu-einer-brgerliche-poetik</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/gedanken-zu-einer-brgerliche-poetik#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 15 May 2003 10:37:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Popp</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/gedanken-zu-einer-brgerliche-poetik/</guid>
		<description><![CDATA[(aus den Fragmenten: Lyrischer Eigensinn. Die geistige Heilschleife. Sänger des Neckar.)
Vergebens rühre ich manchmal an die Dinge;
immer träume ich das Element.
[Gaston Bachelard, Poetik des Raumes.]
Zunehmend fällt es mir schwer, das Gedicht zu vermeiden. Alles erscheint hier identisch, nutzlos und offen, und wie jede Sprache vor allem ein Mittel, das Leben auf Abstand zu halten. Eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(aus den Fragmenten: Lyrischer Eigensinn. Die geistige Heilschleife. Sänger des Neckar.)</p>
<p>Vergebens rühre ich manchmal an die Dinge;<br />
immer träume ich das Element.<br />
[Gaston Bachelard, Poetik des Raumes.]<br />
Zunehmend fällt es mir schwer, das Gedicht zu vermeiden. Alles erscheint hier identisch, nutzlos und offen, und wie jede Sprache vor allem ein Mittel, das Leben auf Abstand zu halten. Eine Methode, sich aufzugeben, gegen Berufung und Predigt, nur für die Ränder tauglich und die betrübten Kulturen, die sie besiedeln. Ohne ein kuhhaftes Vertrauen in die Balance der Welt sollte man nicht beginnen, Seile zu spannen, Wörter in Sätze zu binden. Gerade das Nein, ständig geschieht es. Aber nichts Wirkliches baut es, nur die Desaster des Abiturienten, Oden der Trauer und des missglückten Ficks, die den Gebildeten nicht unterhalten. Aber, wenn wir das Ding nicht konsumieren, den ganzen Komplex ohne Gewissen, gleichsam betrunken ins All schießen, diese gigantische Halde Gottes. Wenn jeder Bau nur ein Schritt hin zur Ruine ist, eine verlogene Schwellung, dazu verdammt, zu resignieren, nach einer Phase des Aufstands in ein unsägliches Minus zu sinken. Und, seien wir ehrlich, jede Löschung hinterlässt derart ein negatives Schleifen, eine innere Taubheit, die unsere Auflösung weiter vorantreibt. Aber, jedes unsägliche Haus ist eine wahre Konsole, eine Gemeinsamkeit unserer Ränder – die zu besprechen, so scheint es, wir nicht müde werden, gegen das geifernde Chaos des Weltalls nicht weniger als gegen das totale Licht, aus dem sie wachsen. Die Sehnsucht nach einer Form, die nichts verliert, bleibt ohne Stillstand – gegen das Existentielle, die Verwurstung des Fühlens, Beschwörungen einer Magie, die nichts bedeuten als ein Verstummen, einen Konkurs der Bewohner. All dieser Krampf, dieses Bemühen, jede Art Klöppelkunst um eine Hohlform des Wunders. Dabei soll es nur neu sein, um des Neuen willen, auch wenn es nicht mehr das Kommende für uns bedeutet. Nur außerhalb der Bestände, auch wenn es nicht mehr als einen Wurf des Bestehenden, einen Sieg unter anderen für uns bedeutet.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/gedanken-zu-einer-brgerliche-poetik/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Aphorismen, Fragmente, Passagen.</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/aphorismen-fragmente-passagen</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/aphorismen-fragmente-passagen#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 09 Apr 2003 10:31:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franz Josef Czernin</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/aphorismen-fragmente-passagen/</guid>
		<description><![CDATA[[Aus: Einführung in die Organik]
poetik: gäbe es ein einziges gedicht, das in keiner hinsicht seinem gegenstand gleicht,
dann wären alle anderen dinge überflüssig geworden.
identität: ein einziger unterschied, der tatsächlich &#8211; also in jedem sinn des wortes &#8211; gemacht wird, ruft alle anderen hervor.
alle menschen sind sterblich: wie oft muss der sinn dieses satzes noch übertragen werden, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>[Aus: Einführung in die Organik]</p>
<p>poetik: gäbe es ein einziges gedicht, das in keiner hinsicht seinem gegenstand gleicht,<br />
dann wären alle anderen dinge überflüssig geworden.<br />
identität: ein einziger unterschied, der tatsächlich &#8211; also in jedem sinn des wortes &#8211; gemacht wird, ruft alle anderen hervor.</p>
<p>alle menschen sind sterblich: wie oft muss der sinn dieses satzes noch übertragen werden, bis er verständlich geworden ist?</p>
<p>poesie: als ob ein wort gebrauchen ein meer teilen wäre!</p>
<p>nicht-identität: eine einzige gleichheit, die tatsächlich &#8211; also in jedem sinn des wortes &#8211; hergestellt wird, ruft alle anderen hervor.</p>
<p>wie, wenn es dann, wenn es eine einzige darstellung eines apfels gäbe, die in keiner hinsicht dem apfel selbst gleicht, keine äpfel mehr gäbe?</p>
<p>alle menschen sterben: gäbe es ein einziges gedicht, das diesen satz erfahrbar machen würde, dann würde der träger des namens selbst sein name.</p>
<p>poesie: als ob es dann, wenn es eine einzige darstellung eines apfels gäbe, die in keiner hinsicht dem apfel selbst gleicht, keinen hunger nach äpfeln mehr gäbe!</p>
<p>alle menschen sind sterblich: als ob die toten selbst den sinn dieses satzes auf mich übertragen müssten, damit er verständlich wird.</p>
<p>poesie: gäbe es eine einzige darstellung eines apfels, die in keiner hinsicht seiner wahrnehmung gleicht, gäbe es dann keine sinne mehr?</p>
<p>nur der name überträgt keinen sinn, der mit dem stirbt, der ihn trägt.</p>
<p>alle menschen sterben: als ob nur die toten das gedicht schreiben könnten, das dieser satz erfahren lässt.</p>
<p>poesie: wie, wenn das meer selbst das schiff wäre, um das wasser zu erfahren?</p>
<p>*</p>
<p>poesie: als ob der begriff des menschen mit den säugetieren, auf die er sich bezieht, hochzeit feiern wollte!</p>
<p>pygmalion: wie, wenn der körper erst in seinem begriff meine gestalt annehmen würde?</p>
<p>pygmalion: als ob mein körper erst in seinem begriff meine augen aufschlagen würde!</p>
<p>pygmalion: wie, wenn das, was ich sehe, erst in seinem begriff meine eigenen augen aufschlagen würde?</p>
<p>goethe: auch der begriff des auges gleicht dem auge, das der sonne gleicht.</p>
<p>poetik: wenn doch das ohr in seinem begriff seine eigene gestalt erhören könnte!</p>
<p>gedicht: auch dieses geräusch bekommt erst im klang des verses die ohren, die es sucht.</p>
<p>was ich zum ersten mal höre, ist das, woran nicht ich mich erinnern kann, sondern meine ohren.</p>
<p>hören: die begriffe haben, die ohren machen.</p>
<p>poetik: je näher der stern, umso ferner sein sinn; je ferner der stern, umso näher sein sinn.</p>
<p>*</p>
<p>poesie: dass sich doch mein eigener körper in dem sinn dieser worte hervorbringe!</p>
<p>autobiographie: wie sich doch mein eigener sinn im körper dieser worte begreift.</p>
<p>poesie: wie sterblich mein körper im begriff aller menschen wird!</p>
<p>poesie: wie, wenn ich erst im begriff aller säugetiere sterblich würde?</p>
<p>allegorese: wie, wenn der mensch seine sterblichkeit nicht immer und überall verkörpern müsste!</p>
<p>allegorese: als ob alle menschen die verkörperung ihrer sterblichkeit dann und wann verlassen sollten.</p>
<p>allegorese: wenn die sterblichkeit sich doch nicht auch noch in den menschen verkörperte!</p>
<p>dialektik: der begriff des todes ist das grab dessen, worauf er sich bezieht.</p>
<p>dialektik: ist nicht der begriff des todes die wiege dessen, worauf er sich bezieht?</p>
<p>dialektik: als ob der begriff des sterbens mit den säugetieren, auf die er sich bezieht, hochzeit halten wollte!</p>
<p>poetik: als ob sich mein eigener körper im sinn seiner worte verzehren sollte!</p>
<p>dialektik: im begriff des lebens stirbt das, worauf er sich bezieht.</p>
<p>*</p>
<p>autobiographie: als ob sich mein körper in bedeutungen verwandeln könnte und die bedeutungen in eine gestalt, die meinen körper aufs neue hervorbringt.</p>
<p>alles, was das gedicht nicht vollständig ersetzen kann, sind die mängel des gedichtes.</p>
<p>jede meiner eigenschaften, die das gedicht nicht darstellt, ist entweder ein mangel des gedichtes, oder einer meiner fehler.</p>
<p>jedes merkmal des apfels, das das gedicht nicht darstellen kann, verwandelt sich in einen mangel seines begriffs.</p>
<p>alle jene meiner eigenschaften, die das gedicht nicht darstellt, verwandeln sich in mängel des gedichtes.</p>
<p>die meiner fehler, die das gedicht darstellt, verwandeln sich in die schönheiten des gedichtes?</p>
<p>die meiner stärken, die das gedicht nicht darstellt, verwandeln sich in die schwächen des gedichtes?</p>
<p>*</p>
<p>schmetterling: ein gedicht kann uns alles glauben machen wollen: etwa, dass sein sinn essbar ist, dass steine sprechen, dass der geist eines menschen nichts als sein gehirn ist. doch zumeist lassen wir uns so etwas nur als ein märchen oder als eine wissenschaftliche theorie erzählen. erst wenn ein gedicht uns die erfahrung der übertragung von sinn machen lässt, wenn es zugleich von seiner erfahrung zu ihrer erkenntnis und von seiner erkenntnis zu ihrer erfahrung führt, kann es uns ganz und gar davon überzeugen, dass die dinge anders liegen, als wir geglaubt haben: wir halten dann das, was es besagt, für wörtlich wahr, obwohl wir es ohne die erfahrung des gedichtes für wörtlich falsch gehalten haben. und vielleicht ist es uns dann tatsächlich evident, dass das gedicht alle wesentlichen merkmale einer speise oder das gehirn alle wesentlichen merkmale des menschlichen geistes besitzt, oder dass steine in menschlichen zungen reden. doch wie, wenn man dann &#8211; aber kann man das überhaupt? -aufhört, diese so unverhofften und unwahrscheinlichen wahrheiten des gedichtes zu erfahren? erwacht man dann aus einem traum, oder beginnt man dann erst eigentlich zu träumen? und wie kann man die antworten auf diese frage vor sich und der welt rechtfertigen, ohne dass die rechtfertigung selbst wieder eben dieselben fragen hervorruft?</p>
<p>friedrich schlegel: auch die wechselseitige anverwandlung des gedichtes und seines gegenstandes ist eine unendliche aufgabe.</p>
<p>friedrich schlegel: auch die wechselseitige anverwandlung eines einzigen staubkorns und seiner darstellung ist eine unendliche aufgabe.</p>
<p>poesie: die verwandlung einer darstellung des staubs in den staub, der sie ist, und die verwandlung des staubs in eine darstellung des staubs, die staub ist.</p>
<p>poesie: als ob das entsetzliche, wenn es nur angemessen dargestellt würde, durch seine darstellung vernichtet werden könnte!</p>
<p>dort, wo jegliche rede anfängt oder wo sie aufhört, ist der unterschied zwischen dem, worauf sich ein wort bezieht, und dem, was es bedeutet, anheimgestellt. wo jener unterschied gemacht werden muss, da enthält jegliches verstehen in bezug auf eines ein missverstehen in bezug auf ein anderes, doch jegliches missverstehen auch ein verstehen: da ist babel. dort, wo jener unterschied gemacht werden kann, da überträgt sich jedes moment des missverstehens in eines des verstehens: dort wäre die poesie.</p>
<p>aus der babylonische bibliothek: etwas verlangt danach, ausgesprochen zu werden; suche ich es auszusprechen, so zeigt sich: was da gesagt wird, spricht nicht das aus, was sich auszusprechen verlangt hat; und so geschieht es wieder und wieder, bis eine sprache, eine geschichte, eine kultur, ja schliesslich eine poesie vorhanden ist, in der jedes wort der ausdruck des verlangens ist, endlich etwas anderes auszusprechen.</p>
<p>mot juste?: je näher ich selbst dem bin, was ich sagen will, umso ferner liegt das wort, das trifft.</p>
<p>ästhetik: je näher der gewinn, umso wahrscheinlicher der verlust.</p>
<p>aus der babylonische bibliothek: etwas verlangt danach, ausgesprochen zu werden; sucht man es auszusprechen, so zeigt sich: was da gesagt wird, spricht nicht das aus, was sich auszusprechen verlangt hat; und so geschieht es wieder und wieder, bis eine sprache, eine geschichte, ja schliesslich eine poesie vorhanden ist, in der jedes wort nach jedem anderen zu verlangen scheint, aber kein einziges mehr das, was zuerst danach verlangt hat, ausgesprochen zu werden.</p>
<p>buch: was ist der natürliche feind aller überlieferung? &#8211; der wörtliche oder der übertragene sinn?</p>
<p>alle überlieferung endet in diesem wörtlichen sinn, also in dem sprachlichen hinweis auf etwas gegenwärtiges.</p>
<p>gedicht: als ob jedes wort ein buch enthielte, und ein gedicht die ordnung der bücher, die bibliotheken vergeblich suchen!</p>
<p>bibliothek: ein gedicht selbst ist die ordnung, die alle bücher hätten, wenn sie ein einziges wären</p>
<p>*</p>
<p>unter freiem himmel: jegliche moral begreift ihre regeln als notwendige gebote oder verbote; jegliche wissenschaft fasst gebote oder verbote als willkürliche regeln. die poesie stellt beide möglichkeiten als einander widersprechende deutungen anheim: sie lässt jedes verbot oder gebot als willkürliche regel erscheinen, aber jegliche regel auch als notwendiges gebot oder verbot.</p>
<p>maschine: all die dinge, ihre vielfältigen beziehungen zueinander: das ist das eine rad; die worte, ihre vielfältigen beziehungen zueinander: das ist das andere rad. in einem gedicht greifen die beiden räder ineinander und stellen etwas sowohl her wie auch dar. &#8211; was aber ist das? ist das überhaupt etwas?</p>
<p>*</p>
<p>gedicht: der augenblick, in dem der unterschied zwischen dem, worauf sich ein wort bezieht, und dem, was ein wort bedeutet, entsteht oder vergeht.</p>
<p>poesie: der augenblick, in dem der unterschied zwischen dem, worauf sich ein wort bezieht, und dem, was ein wort bedeutet, aufgehoben wird.</p>
<p>gedicht: der augenblick, in dem sich die eine venus im begriff des morgensterns und des abendsterns selbst erleuchtet.</p>
<p>sphären: das gesuchte wort ist eigentlich jenes, das alle dinge so in sich hineinzieht und verwandelt, dass es sie als bedeutungen aus sich entlässt.</p>
<p>*</p>
<p>fetisch (grammatik): es ist gleichgültig, ob man sich selbst, das gehirn oder einen gott für das hält, was denkt.</p>
<p>erde: als ob die wechselseitige anpassung aller säugetiere aneinander eine wahrheit hervorbringen könnte!</p>
<p>roboter: als ob die wechselseitige anpassung von etwas an etwas anderes etwas anderes als eine wahrheit hervorbringen könnte!</p>
<p>die natürliche sprache hat alle stärken und schwächen eines organs. seine stärken: es hilft uns, uns zurecht zu finden; seine schwächen: es hindert uns zu erkennen, wer oder was sich wie zurechtfindet.</p>
<p>schon damit, dass wir etwas natürlich nennen, vermischen wir es mit dem, was wir selbst herstellen.</p>
<p>natur: das ergebnis einer kunst, die sich selbst als solche entgeht.</p>
<p>was ich für meine natur halte, ist dann genau das, was ich nicht sein kann, wenn, was ich für meine natur halte, das ist, was ich sein muss.</p>
<p>natur ist dann, wenn wir etwas für mehr zugefallen als beabsichtigt halten.</p>
<p>poesie ist dann, wenn das, was zufällt, und das, was beabsichtigt wird, einander wechselseitig hervorbringen oder zunichte machen.</p>
<p>natur: was das, was nur beschrieben, und das, was nur bewertet werden kann, so enthält, dass ich es nur so beschreiben kann, dass ich es bewerte, und nur so bewerten, dass ich es auch beschreibe.</p>
<p>natur: als ob man den sinn des wortes blut zum fliessen bringen sollte!</p>
<p>kunst: was das, was nur beschrieben, und das, was nur bewertet werden kann, so enthält, dass ich es nur so beschreiben kann, dass ich es bewerte, und nur so bewerten, dass ich es auch beschreibe.</p>
<p>natur: das ergebnis all jener formen der mitteilung, durch die wir so erzeugt werden, dass wir annehmen müssen, dass wir uns von unserem eigenen wahrnehmungen unterscheiden</p>
<p>die poesie ist die kunst, die unterscheidung zwischen dem vorgegebenen oder natürlichen und dem künstlichen oder beabsichtigten anheimzustellen.</p>
<p>maschine aller maschinen: die poesie ist nicht nur selbst gegenstand und stellt gegenstände dar, sondern sucht zugleich, im selben atemzug, ihre konstruktion begreiflich zu machen. ihr<br />
ideal ist eine welt, die für sich selbst und also auch für uns durchsichtig ist; eine welt, in der jeder gegenstand (und also auch wir selbst) von seinem anfang bis zu seinem ende, gleichsam von der wiege bis zum grab, in allen seinen formen, phasen und wandlungen erkennbar wird. und da diese welt, so durchsichtig sie auch sein mag, dennoch so schwer wiegen soll wie nur irgendeine, so enthält jenes poetische ideal die hoffnung, dass sich auch die, wie es scheint, allerundurchdringlichste welt &#8211; jene, die wir alltäglicherweise zu erfahren glauben &#8211; als ein in seiner konstruktion begriffener gegenstand, als ein gedicht, offenbart.</p>
<p>*</p>
<p>kafka: ein aufgabe, die endgültig lösbar ist, ist nicht übertragbar.</p>
<p>poesie: als ob erst ein vollständig dargestellter apfel ein verzehrter apfel wäre.</p>
<p>natur: als wäre, den apfel zu essen, eine weise den apfel zu erkennen!</p>
<p>mythos: als wäre, den apfel zu essen, eine weise den apfel zu erkennen, und den apfel zu erkennen, eine weise, den apfel zu essen.</p>
<p>mythos: als wäre, vom löwen gefressen zu werden, eine weise, den löwen zu erkennen.</p>
<p>religion: als sollte, vom löwen gefressen zu werden, eine weise werden, den löwen zu erkennen.</p>
<p>wissenschaft: nur wenn der wert eines gegenstandes nicht als eine seiner eigenschaften gedacht wird, setzt seine beschreibung keine bewertung voraus und erlaubt seine vollständige erkenntnis.</p>
<p>wissenschaft: als ob ein vollständig beschriebener apfel genau der wäre, der von niemandem gegessen werden kann.</p>
<p>*</p>
<p>wissenschaft: ganze antworten, halbe fragen.</p>
<p>orakel: weil der wert eines apfels eine seiner eigenschaften ist, ist, den apfel zu essen, eine weise, vom apfel bewertet zu werden?</p>
<p>wissenschaft: dass man die dinge gerade dann nicht erkennen kann, wenn man sich selbst als das ins spiel bringt, was die dinge zu erkennen sucht!</p>
<p>wissenschaft: dass man sein gehirn gerade dann nicht erkennen soll, wenn man sich selbst denken bemerkt.</p>
<p>poesie: dass man den apfel gerade dann nicht in erkennen kann, wenn man sich nicht selbst jene eigenschaft des apfels darstellt, die der wert des apfels ist.</p>
<p>wissenschaft: dass ich mich gerade dann nicht erkennen kann, wenn ich zu erkennen versuche, was sich in diesem gehirn ereignet.</p>
<p>ich: dass ich mich gerade dann erkennen kann, wenn ich nicht zu erkennen versuche, was sich in diesem gehirn ereignet, sondern das, was sich in mir selbst ereignet.</p>
<p>passage: wird der wert der naturwissenschaften richtig verstanden, dann sind sie der tapfere versuch, sich selbst als das zu verstehen, was weh tut und schrecken verbreitet. vielleicht ist es aber auch nur die grösste feigheit: glauben, indem man sich als das ausgibt, was einen vernichtet, der vernichtung entgehen zu können.</p>
<p>wissenschaft: ich denke, während es annimmt, was denkbar ist und was nicht.</p>
<p>gedanken sind materielle vorgänge: die verkörperung ist vollzogen, das gedicht ist geschrieben, und die wissenschaftliche erfahrung kann beginnen, es so zu interpretieren, dass es wahr oder falsch sein kann.</p>
<p>poesie: es spricht, während ich denke, was gesagt werden kann und was nicht.</p>
<p>organ: dass das wissenschaftliche sprechen über etwas mit dem, worüber es spricht, nichts gemeinsam haben will, macht es mitsamt den wahrheiten, die es behauptet, zu nichts als einem zeichen, einem bild von etwas, dem es sich nicht entziehen kann.</p>
<p>wissenschaft: jeder löwe, der kein mensch ist, ist doch nur die allegorie seiner zoologischen klassifikation.</p>
<p>erkenntnis: jeder gegenstand ist selbst der übertragene sinn seiner klassifikation.</p>
<p>wissenschaft; jeder mensch, der ein säugetier ist, ist nichts als eine allegorie seiner zoologie.</p>
<p>wissenschaft: jeder mensch, der ein säugetier ist, ist eine metapher für alle anderen säugetiere, von denen er wahrgenommen wird.</p>
<p>jeder mensch ist der übertragene sinn aller anderen säugetiere, und jedes andere säugetier ist der übertragene sinn aller menschen.</p>
<p>wissenschaft: jeder mensch, der ein säugetier ist, ist nur ein bild für all die dinge, von denen er nichts weiss.</p>
<p>wissenschaft: wie etwas gesagt wird, wird von dem unterschieden, was gesagt wird; und wie und was gesagt wird, wird davon unterschieden, dass etwas gesagt wird.</p>
<p>gedicht: was ich sage und wie ich es sage werden einander so lange immer ähnlicher und ähnlicher, bis es ganz und gar gesagt ist.</p>
<p>gedicht: was ich sage und wie ich es sage werden einander so lange immer ähnlicher und ähnlicher, bis nichts anderes bleibt als, dass gesagt wird.</p>
<p>wissenschaft: was ist erfahrung? erfahrung ist nur dann,&#8230;und dann werden bedingungen angegeben. und unversehens ist ein satz wie „ich bin heute (moralisch) besser oder schlechter als gestern. oder: immer wenn ich mich so verhalte, fühle ich mich so und so“ keine erfahrung.</p>
<p>warum nimmt man so häufig stillschweigend an, dass dann, wenn von bedeutungen die rede ist, auf uneigentliche weise vom deutenden die rede ist, während man doch, wenn von sinnlich wahrnehmbaren gegenständen die rede ist, so selten annimmt, es sei auf uneigentliche weise vom wahrnehmenden die rede? wie man an die sinne glaubt, und wie man an den wahrnehmenden glaubt! wie sehr man an die wissenschaften glaubt!</p>
<p>was für ein himmel oder was für eine hölle wäre eine welt, in der wir allein das wären, was unsere sätze wahr oder falsch macht.</p>
<p>die wissenschaft ist eigentlich die kühnste poesie: sie unterstellt, dass die dinge in form von theorien, die auch dinge sind, sich selbst erklären können.</p>
<p>wissenschaft: als ob aus dem meer das auge werden wollte, das es erkennt.</p>
<p>mathematik: die wissenschaft ist eigentlich die kühnste poesie: sie setzt voraus, dass die dinge in form von theorien, die in wesentlichen hinsichten selbst keine dinge im naturwissenschaftlichen sinn sind, erklärt werden können.</p>
<p>wissenschaft: als ob eine woge das meer erkennen wollte!</p>
<p>die wissenschaft ist die kühnste poesie: sie setzt voraus, dass der zweig eines baumes seine wurzeln so erklären kann, als wäre er selbst nicht erklärungsbedürftig.</p>
<p>die wissenschaft ist die kühnste poesie: sie setzt voraus, dass der zweig eines baumes den baum so erklären kann, als wäre er kein teil von ihm.</p>
<p>poesie: als ergäben all die aufs geratewohl hingeschüttete haufen von sternen ein bild!</p>
<p>*</p>
<p>dichtung: die zunge, die immer im begriff bleibt, sich in wort und gegenstand gespalten zu haben.</p>
<p>ich: jener augenblick, da etwas, das festgelegt ist, auf das stösst, was noch zu festzulegen ist.</p>
<p>besteht die zirkelhaftigkeit alltäglichen welt- und sprachumgangs darin, dass beide als festliegend und vorgegeben einander stillschweigend oder selbstverständlich bestätigen, so verlangt nicht-alltäglicher und poetischer welt- und sprachumgang, dass jener zirkel als deutungszirkel vollzogen wird. der zirkel soll erhellend sein – im gegensatz zum alltäglichen, der hier als, vergleichsweise, dunkel angenommen wird. in analogie zu einem berühmten wort freuds kann man sagen: was alltäglicherweise festliegend und vorgegeben ist, soll im poetischen weltgebrauch sinn, darstellung werden: blinder umgang werde bestimmter sinn, blinder sinn werde bestimmter umgang.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/aphorismen-fragmente-passagen/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Dreh Gedanken zum Gedicht</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/dreh-gedanken-zum-gedicht</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/dreh-gedanken-zum-gedicht#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 03 Mar 2003 10:21:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ulrike Draesner</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/dreh-gedanken-zum-gedicht/</guid>
		<description><![CDATA[Vielleicht ist alles in der Welt gedreht? Atome, Moleküle, Kristalle ebenso wie Schneckenhäuser oder Zweige in ihrem Ansatz am Baum. In Spiralen wickeln sich die aus den Wirbeln kommenden Nerven zu Arm und Bein. Das Spermium dreht sich durch den Eileiter, vom Augenblick der Zeugung an wachsen wir in Symmetrien und Spins. Planeten, Sterne und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vielleicht ist alles in der Welt gedreht? Atome, Moleküle, Kristalle ebenso wie Schneckenhäuser oder Zweige in ihrem Ansatz am Baum. In Spiralen wickeln sich die aus den Wirbeln kommenden Nerven zu Arm und Bein. Das Spermium dreht sich durch den Eileiter, vom Augenblick der Zeugung an wachsen wir in Symmetrien und Spins. Planeten, Sterne und Galaxien: sie drehen.<br />
Die Stimme: Luft wird eingesogen, ausgestoßen, dringt in den Raum, baut Wellen, dreht sich an Luftschwaden hinauf, herab, nach vorn. Schraubt sich in den Raum, ins Ohr.</p>
<p>Die eigene Stimme: vielfach gefordert. Doch wer weiß, was das ist? Oder arbeiten wir uns auf einen Zustand der post-lyrics zu (analog zu post-gender): zu auf den Genuss des Gekreuzten, Gemischten? Denken an etwas wie transvoicing? Ein sich ablösen vom „Eigenen“ &#8211; nicht auf Fremdes hin, sondern auf etwas, das aus diesen Kategorien springt?</p>
<p>Gedicht: Anderem, Unerhörtem, eine Stimme geben. Es passieren lassen. Nicht einen Algorithmus finden, der „die Welt“ in Sprache übersetzt, sondern mehrere, miteinander erklingende Algorithmen. Jedes „Erlebnis“ hat sein eigenes Gesetz. Es beruht auf ihm und bringt es zugleich hervor.</p>
<p>Wenn die lebendige Welt Gedrehtes ist, dann wird, was später „Gedicht“ sein will, daraus übersetzt. Hilfsweise läßt sich sagen: dank eines Algorithmus. Er ist die kleine Maschine des Gedichtes, die man nicht sieht. Oder doch sieht, aber nur in ihrem Produkt &#8211; sie, die nichts als dieses Produkt ist, erfahrbar aber „in der Dichte“ des Gedichtes, in seinem Rhythmus, Klang. Als dieses „andere“ (Maschine), das die Verbindung zwischen Erlebnis, besser: Wahrgenommenem (dem „Echten“ oder Realen“) und der Sprachhervorbringung erzeugt.</p>
<p>Drei Akte also: Wahrnehmung, Spracherzeugung, Gedicht. Wahrnehmung, die ihrerseits Spracherzeugung erzeugt. Sie ver-ant-wortet, wie man im Deutschen sagen kann. Wahrnehmung ihrerseits geschieht „in“ jemandem. Hirn, Psyche, Seele. Der Algorithmus, der die Spracherzeugung je nach der Wahrnehmungsweise „informiert“ (im Sinn von „prägt“), sitzt also nicht nur ebenfalls in diesem „in“, sondern muß an allem, was an Wahrnehmung beteiligt ist, seinerseits beteiligt sein. Psyche, Seele, Gehirn.</p>
<p>Gedicht: Sprache, die sich aus der Verbindung zwischen Wahrnehmung und Wahrnehmung als Teil des spezifischen Spins dieser Wahrnehmungen &#8211; ihrer Gangart, ihrer absplitternden Funken &#8211; erzeugt und erhält.</p>
<p>Kompliziert. Meine Güte! Muß das sein?<br />
Anscheinend.<br />
Anscheinend funktionieren „wir“ so. Zumindest, wenn wir uns selbst ansehen und fragen: wie machen wir, denken, fühlen wir? Weil wir auf uns selbst blicken, ergibt sich „der Dreh“. Er ist die Spur unserer Aufzeichnung bei uns selbst.</p>
<p>Bei Gedichten: erscheint er als Dreh (oder Spin) des sinnlichenVerarbeitungsapparates in den Sprachapparat. Er „geht über“ und informiert das Gedicht: drückt es in seine Form, die zugleich eine Nachricht ist.</p>
<p>Der Spin der Wahrnehmung, der sich in Sprache übersetzt, gibt dem Gedicht, was zu wissen sich (für es) lohnt.</p>
<p>Postlyrics beruhen auf der Dichtungstradition. Doch sie sind nicht mit ihr identisch. Etwa: spielen mit dem Gedichtanspruch der 70er Jahre (Alltagsdinge, Realismus, politische Botschaft) und kippen ihn.</p>
<p>Postlyrics sind „post“ in Relation zum System der Poesie: dem Staatsdichterwesen, dem Beraterdichtertum, den dichterischen (Männer)Kronen.</p>
<p>Lustvoll in der Rolle, die eine Zuschreibung ist &#8211; und als solche gezeigt wird.</p>
<p>Sie sind in etwas und zugleich außerhalb. Ihr Ziel ist eine Unmöglichkeit.</p>
<p>Damit die Figur einer Entstehung sichtbar wird. Als Erschriebenes.<br />
Um als Wirklichkeit zu wirken.<br />
Weil da ein Mensch spricht<br />
von etwas, das stets um seine Krümmungen fließt<br />
das sich verschattet<br />
selbst beschattet<br />
erhellt<br />
nur als Figur in der Zeit entsteht: wer wir sind</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/dreh-gedanken-zum-gedicht/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Eine Poetik</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/eine-poetik</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/eine-poetik#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 07 Feb 2003 11:16:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lars-Arvid Brischke</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/eine-poetik/</guid>
		<description><![CDATA[gedichte sind meine täglichen entspannungsübungen. wenn ich sie vernachlässige, leide ich unter verspannungen. verspannungen aber sind falsch gelenkte energien. dass energien entstehen oder verschwinden können, ist noch nicht beobachtet worden. sicher aber kann man sie in verschiedene energieformen konvertieren. in der einen sind sie vielleicht wirkungslos, in der anderen schädlich. sollen sie positiv sein, muss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>gedichte sind meine täglichen entspannungsübungen. wenn ich sie vernachlässige, leide ich unter verspannungen. verspannungen aber sind falsch gelenkte energien. dass energien entstehen oder verschwinden können, ist noch nicht beobachtet worden. sicher aber kann man sie in verschiedene energieformen konvertieren. in der einen sind sie vielleicht wirkungslos, in der anderen schädlich. sollen sie positiv sein, muss man die richtige form finden. für alle energien wurden leitungen erfunden, zu- und ableiter, nullleiter und bypässe. es kann zur entladung kommen oder zum kurzschluss. dabei ist immer widerstand im spiel. richtung und stärke in den griff zu bekommen, ist jedoch kein problem. glimmt die leitung rot wegen eines großen widerstandes, erhöhe ich diesen erst recht, bringe den draht zur weißglut. und schon werden die nächte taghell. der entspannungseffekt kommt, wenn es ein gedicht ist, für das ich eine leitfähigkeit habe, beim lesen wie beim schreiben. beim schreiben aber viel intensiver. bin ich für ein gedicht ein halbleiter, löst es einen erkenntnisprozess aus, der mit einem geheimnis beginnt. bin ich für ein gedicht ein heißleiter, schleudert es mich emotional in das eine oder andere extrem. entspannungsübungen sind am besten, wenn sie zuerst die anspannung auf die spitze treiben. nur so kann der schwellwertschalter reagieren. erst dann öffnet sich das ventil. mein motor springt an, den ich tatendrang nenne. endlich bin ich ganz entspannt.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/eine-poetik/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>DAS GEDICHT GEHT DURCH EINEN K&#214;RPER UND GR&#220;SST NICHT MAL</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/das-gedicht-geht-durch-einen-krper-und-grsst-nicht-mal</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/das-gedicht-geht-durch-einen-krper-und-grsst-nicht-mal#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 16 Dec 2002 09:55:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Kuhligk</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">1723080492</guid>
		<description><![CDATA[(man schreibt nur mit den poren gut)
1. das gedicht ist arbeit und boden. manchmal kann es kapital werden. niemals kann es ein aktienfonds werden. dafür ist es zu unbedeutend.
2. das gedicht fragt nicht. man geht nicht darauf zu. es geht nicht auf einen zu. es wird geschrieben.
3. das gedicht ist zettelkasten oder reflex. es ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(man schreibt nur mit den poren gut)</p>
<p>1. das gedicht ist arbeit und boden. manchmal kann es kapital werden. niemals kann es ein aktienfonds werden. dafür ist es zu unbedeutend.</p>
<p>2. das gedicht fragt nicht. man geht nicht darauf zu. es geht nicht auf einen zu. es wird geschrieben.</p>
<p>3. das gedicht ist zettelkasten oder reflex. es ist grundlegende strategie, kleingruppenaktivität, anwendung</p>
<p>4. das gedicht ist werkzeug oder werkzeugkasten.</p>
<p>5. das gedicht braucht bilder. es müßte permanent eine kamera mit sich führen.</p>
<p>6. das gedicht braucht keine festgelegte poetik. es braucht grenzen, die im moment nicht zu bestimmen sind, da sie sich durch das permanent-wechselnde des inneren dieser grenzen definieren.</p>
<p>7. das gedicht ist ein monolog, der sich in einer endlosschleife fortsetzt, wobei der knoten nur hin und wieder zu lösen ist. es ist monolog, weil es ankunft und abschied in einem ist. es ist monolog, weil es zwischen ankunft und abschied steht und wartet.</p>
<p>8. das gedicht braucht leidenschaft am wort, am leben. es benötigt autobiographie.</p>
<p>9. das gedicht ist (minimale) arbeit an der autobiographie. es darf sich nur um ein weniges von ihr entfernen. (gedichte müssen sein wie kußgewölbe. manchmal. gedichte müssen sein wie tarnkappenbomber. hin und wieder.)</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/das-gedicht-geht-durch-einen-krper-und-grsst-nicht-mal/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>KONTEXTE</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/kontexte</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/kontexte#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 16 Dec 2002 09:54:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Rinck</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/kontexte/</guid>
		<description><![CDATA[KONTEXTE: eine seite umblättern. ein anderes gedicht. das neue gedicht schafft sich seinen kontext, aus einer adverbialen fügung, aus einer privaten etymologie, die stark genug ist, einen rahmen zu schaffen. aus dem plötzlichen aufruf des einzelnen worts und seiner verkettung soll die antwort auf die frage werden: wo sind wir. obwohl gedichte sprache nicht vorrangig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>KONTEXTE: eine seite umblättern. ein anderes gedicht. das neue gedicht schafft sich seinen kontext, aus einer adverbialen fügung, aus einer privaten etymologie, die stark genug ist, einen rahmen zu schaffen. aus dem plötzlichen aufruf des einzelnen worts und seiner verkettung soll die antwort auf die frage werden: wo sind wir. obwohl gedichte sprache nicht vorrangig als medium der informationsübermittlung adressieren, muss das gedicht informieren, sich seiner form stellen, diese form präsentieren, sich einen kontext schaffen, vielleicht stärker oder schneller (the speed of truth) oder pointierter (eine frage der opulenz) als andere textsorten. der kontext steht immer wieder neu zur verhandlung: sich stellen. sich vorstellen. framing.</p>
<p>DAS VERTIKALE WORT: es gibt worte, die dem gedicht unverzichtbarer sind als andere. das wort, das die schichten aneinanderheftet, oder: das sich durch die schichten fräst. ein wort, wie ein bizarres objekt, ein beta-element (bion), das wort, das zirkuliert, obwohl es seinen platz hat, die tiefe, die höhe. „so heißt das wort nur&#8221;, formuliert deleuze und öffnet ein fass ohne boden: den infiniten regress. diese worte lassen sich ausmachen. sie sind der sitz einer dringlichkeit, über deren warum und woher sich nichts aussagen lassen können muss.</p>
<p>DER KOFFER, DIE KLEIDER:<br />
die vorteile des gemacht-seins, die vorteile des gewolltseins: präzision.<br />
auf tritt francis ponge:<br />
>>Und mein Gefühl von Literatur ist oft, wenn ich nach einem Gespräch nach Hause komme, wo ich den Eindruck hatte, alte Kleider, alte Hemden von einem Koffer in den andern zu packen, all das auf dem Speicher, wissen Sie. Ein bißchen verschwitzt und dreckig, unangenehm auf der Haut. Ich sehe die weiße Seite und sage mir: „Mit ein wenig Aufmerksamkeit kann ich vielleicht etwas Sauberes, etwas Klares schreiben.&#8221; Um etwas zu machen, das gelesen, wieder gelesen werden kann, auch von einem selbst, und das nicht an diesem Zufall der Worte teilhat. Gegen den Zufall. Die Zufälle, das sind vielleicht extrem komplizierte Gesetze. Und vielleicht kann ein guter Text Zufall in diesem Sinne sein. Sehr mehrdeutig. Ein anderes Gesicht bei jeder Lektüre. Aber eine Sache, die nicht zerfällt und die gleichzeitig mit dem angenommenen Leser weiterlebt, wenn es auch nur ich selbst wäre.< <<br />
aus: Literarische Praxis. Nach der Aufnahme eines Vortrages in der technischen Hochschule Stuttgart am 12.07.1956 rekonstruierter Text.<br />
dann, im besten fall kann es zu einer exaktheit kommen, die ihren ort in der zeit hat und dort auch wieder verliert: und wenn es gut ist, das wort, der satz, ist es die gelungene balance, die verkörperung. in der schaumwelt, gegen die schaumwelt, mit der schaumwelt (heinrich).</p>
<p>WIDERSTAND UND EINFACHHEIT<br />
nicht komplexität absichtlich. nicht verdunkelung, die metaphern werden festgezurrt und es dringt kein licht mehr ein, nur einer hat die hand noch am schalter. das nicht. aber: zur entfaltung braucht es die falte. gute gedichte haben etwas, durch das man vorerst nicht einfach durchkommt, eine besondere beziehung zur zeit. das kommende verstehen, ein kontrakt, der mittels vertrauen zustande kommt. gedichte können der ort sein, wo die geschwindigkeit des verstehens zum gegenstand wird. etwas, das sie haltbar macht, das späteres wiederlesen belohnt. eine nachhaltigkeit, wie ein langsamer zaubertrick (clayton), nicht ein „decking the sense as if it were to sell" (herbert).<br />
andererseits: die schönheit des einfachen, wie das öffnen einer hand... verse, die kaum gelesen, sich anschicken einen überall hin zu begleiten, für lange... ja, auch das...</p>
<p>DAS PELZTIER<br />
einen gedanken in eine beständige, aber auch bewegliche form bringen, eine form, die auch seine zum unsagbaren offenen, aus noch stummer erfahrung bereicherten ränder faßt. dort, wo das erkenntnisinteresse sich mischt mit seinem schwer fassbaren warum, seinem noch vordiskursiven movens hat das gedicht dem essay, der analyse etwas voraus, obwohl es von beidem etwas haben kann. hier kann präzision ebenso am werk sein, wie die klassischen momente sowohl der traumbildung als auch der poesie: verschiebung und verdichtung.<br />
ein gedanke, der interessiert: das tollkühne aufgebot des letzten stolz nach einer überwältigenden narzißtischen kränkung, kann ein pelztier werden, klein wie ein nager, das entwischt.</p>
<p>DIFFICULTY<br />
>>Poetry can offer us images of the activity of making language authentic, whether that involves rejecting a phrase that „first enhances, then debases,&#8221; or mining clichés for the core of vitality that remains in them. But poetry can also warn us against the temptation to imagine that we have arrived at an absolute and unassailable lucidity. Poetry, because it has the potential to be the most difficult kind of writing, can most effectively pose the demands of experience, as they are sedimented and embodied in the language we use, against their reduction in the formulas of skepticism that now come so naturally to our minds and lips. It has become easy for us to identify the categories and habits of thought produced by the skeptical intellect with truth, even when we have dissolved the notion of truth back into a language game or an effect of power. Poetry, by bringing us to a greater awareness of the languages by which we understand our experience, should help us resist the reduction of experience to formulas, whether those are the formulas of lyricism or of lucidity. But to do so it will have to be difficult.<<<br />
aus: Vernon Shetley: After the Death of Poetry.<br />
Durham &#038; London: Duke University Press 1993</p>
<p>DIE TÜR 1000 MAL SCHLIESSEN: das schließen einer tür kann alles sein. was es sein kann, geht über die reine prädikation hinaus. doch für welches schließen kann eine form die einzige sein? hier setzt die arbeit an der übereinstimmung ein, die übersetzungsleistung von sprachlosigkeit in sprache. das gedicht weist auf die stelle, auch die stelle in der zeit, in der das alles, welthabe, weltaspekte, sprache werden will, und erhält sie, als schwelle.</p>
<p>DAS BESSERE SCHEITERN: das alles muss freilich nicht immer gelingen. die forderungen aus den obigen behauptungen ergeben dann den einen oder anderen hohlen klang, einen falschen heroismus der eigenen absichten. so tönt das missige verhältnis zwischen der eigenen produktion der eigens hinzu produzierten theorie. trotzdem: zum gedicht gehört auch die zeit (die dauer) des schreibens, des verwerfens, neu beginnens, löschens und scheiterns, wobei das scheitern dann vielleicht von einer anderen, besseren art ist, als das scheitern in den seriellen frustrationen des alltags.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/kontexte/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Polemische Poetik</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/polemische-poetik</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/polemische-poetik#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 16 Jun 2001 23:16:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herbert Braun</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">695428674</guid>
		<description><![CDATA[Poetik? Das klingt nach Theorie und Lyrik, damit habe ich nicht viel zu tun. Die Theorie ist ein Afterphänomen der literarischen, der künstlerischen Praxis; wer das Gegenteil behauptet, ist ein habilitierter Sonntagsreimer oder ein Lügner. Wo liegt also der Sinn der Übung? Nach 15 Jahren Schreibpraxis voller Widersprüche und Widerrufe mag der Zeitpunkt für eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Poetik? Das klingt nach Theorie und Lyrik, damit habe ich nicht viel zu tun. Die Theorie ist ein Afterphänomen der literarischen, der künstlerischen Praxis; wer das Gegenteil behauptet, ist ein habilitierter Sonntagsreimer oder ein Lügner. Wo liegt also der Sinn der Übung? Nach 15 Jahren Schreibpraxis voller Widersprüche und Widerrufe mag der Zeitpunkt für eine Standortbestimmung sein. Außerdem ist die Nabelschau eine narzißtische Exerzitie, und jeder, der für andere schreibt, ist eitel, nicht wahr?<br />
Mehr wird darüber zu sagen sein, was ich nicht will. Das ist einfacher und macht mehr Spaß. Falls sich jemand beleidigt fühlen will: ja, es ist persönlich gemeint. Wer nicht selbst angegriffen ist, wenn seine Texte unter Beschuß liegen, sollte mit dem Schreiben aufhören. Vieles von dem Kritisierten habe ich selbst durchlebt, geglaubt, versucht; hinter mich gebracht.</p>
<p>I Besser häßlich als tot</p>
<p>Die nekrophile Verfeinerungsästhetik der Fin-de-siècle-, Fin-de-millennium-Poeten kotzt mich an. Wer sich vom Ende her definiert, sollte nicht anfangen. Was mich interessiert, ist das Leben, nicht der Tod. Ich will nicht betäuben, ich will nicht betäubt werden. Nie wieder will ich Luxusgedichte hören über Prenzlauer Bergs neu ausgeleuchtete Hinterhöfe, über Fernsehseriencharaktere im Zwielicht der Lavalampen. Lieber als Lyrikbände lese ich Obdachlosenzeitungen. Keine plumpe Solidarisierung, Interesse an Geschichten. Der alte Vergleich mit den Pflanzen stimmt. Es wird nicht gemacht, es wächst. Aber wie soll etwas ohne Wurzeln wachsen? Das versteht doch jedes Kind. Lustvolle Selbstbefriedigung ist legitim, aber man darf sie nicht mit einem schöpferischen Akt verwechseln. Wo es nur noch Inszenierung gibt, ist die Kunst tot. Wir arbeiten daran.</p>
<p>Worte sind ein Hilfsmittel, mehr nicht. Die Botschaft ist eigentlich nicht geeignet dafür. Wie wenn man eine Zeichnung macht auf einem Blatt Papier. Wer die Worte wegen der Worte aufschreibt, bleibt flach. Wer damit zufrieden ist.</p>
<p>II Die Sprache lügt</p>
<p>Immer schon hat die Sprache gelogen, und sie tut es mehr und mehr. Reden ist bestenfalls der Versuch, Mißverständnisse zu minimieren, Schreiben oft genug das Gegenteil. Was sich reimt, stimmt, sagt das Gedicht. Die Wahrheit paßt nicht ins Metrum. Die Wahrheit steht zwischen den Zeilen: die angerauhte, weiße Körnung des Papiers. Die Dinge lügen auch, aber es ist nicht ihre Schuld. Unsere Köpfe sind auf das hastige Klappern der Worte dressiert; die Dinge müssen belagert werden.</p>
<p>III Für jedes schwierige Problem gibt es eine einfache Lösung</p>
<p>Die immer wiedergekäuten Fragen, die in ihrer sogenannten Gebrochenheit so geradlinigen Charaktere, die üblichen Probleme … und vor allem die bohèmehafte Katerstimmung in den Versen ersticken jedes Interesse. Die hormonell bedingte, juvenile Weltschmerzliteratur, die seit 200 Jahren die Geistesgeschichte verpestet, muß jeder durchmachen. Auch Schreibende waren einmal 17, aber sie sollten es nicht bleiben. Für jedes schwierige Problem gibt es eine einfache Lösung, und sie ist falsch. Die vitale Komplexität, die natürlichen Widersprüche sind so viel interessanter als die zweidimensionalen, rhythmisierten Diagramme der Weltentwerfer und Rätsellöser. Eine sehr einfache Lösung, nicht wahr? Siehe oben.</p>
<p>Ach ja, die Ironie. Schülerzeitungen sind voll davon. Nur in Verbindung mit Leidenschaft genießbar.</p>
<p>IV Das Ungleichgewicht halten</p>
<p>Ich widerspreche mir, weil ich lebendig bin. Die Balance, die metaphysisch verzuckerte Planierung des Gegensätzlichen, ist eine totalitäre Fiktion. Schöpferisch zu sein bedeutet, auf dem Drahtseil zu spazieren, ohne ins Gleichgewicht zu fallen. Der Text muß weh tun, seine Kletterhaken dürfen nicht wegdialektisiert werden. Nichts darf übrig bleiben, das zu erklären ist; nichts, das in einfache Sätze paßt. Wozu sonst der Aufwand? Der Text soll wirken wie der Druck einer Klaviertaste. Nicht auf den Hörer, auf das Klavier.</p>
<p>V Die alleinseligmachende Dreifaltigkeit</p>
<p>Die Fähigkeit zu fühlen, die Fähigkeit zu formen und die Fähigkeit zu denken. Die einfältigen Texte werden in der Regel nicht mit Literatur verwechselt, bleiben die fortgeschrittenen Defizite. Das mit dem Denken wollen wir gleich zurückstellen; es ist die entbehrlichste Begabung. Ohne gestaltendes Talent kommt ein philosophisches Tagebuch, kein Kunstwerk heraus, Kunst kommt ja von Können, nicht wahr. Aber Können kann man lernen, und wer etwas zu sagen hat, wird seine Form finden. Aber läßt man das Gefühlte, Erlebte, Erfahrene weg, reift uns der Pickel am Arsch der Literaturgeschichte entgegen, für den sie oder er gerne den Begriff „Postmoderne“ verwendet. Da sich postmoderne Texte nicht aus dem seelischen Humus des Dichters speisen, sondern aus dem Granulat seines literarischen Wissens, reduziert sich ihre Aussage auf a) nachts sind alle Katzen grau; b) alles stimmt, aber auch das Gegenteil; c) alles ist schon gesagt worden, auch dies; d) ich will spielen, mir ist langweilig. Jede Zeit hat die Kunst, die sie verdient. Der triste Konterpart zu den Seifenoperndarstellern und Singmiezen, die in jedem Interview stolz betonen, daß sie nie gelernt haben, womit sie reich werden.</p>
<p>VI Was ist, was war</p>
<p>Auf toten Organismen wächst neues Leben, tote Kulturen aber werden gesalbt, mumifiziert und in ihrem Wohlgeruch ausgestellt. Wäre ich Optimist, würde ich sagen, daß dieses Land, diese Kultur und diese Sprache bewußtlos ist. Ich staune über jeden Ausländer, der Deutsch lernt; aber es wird ja auch noch Latein gelehrt. Wie für dieses wird es vielleicht auch für das Deutsche einige Nischen geben. Philosophie, Militär, Verwaltungsverordnungen etwa. Es ist demoralisierend, wie weit wir hinter die Avantgarde von vorgestern zurückgefallen sind. Nicht einmal mit den fünfziger Jahren können wir mithalten, die zwanziger verstehen wir gar nicht erst. Das ästhetische Experiment hat sich vom Inhalt abgekoppelt.</p>
<p>Habe ich mich klar ausgedrückt?</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/polemische-poetik/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>F&#252;nf Anl&#228;ufe, nicht Schritte, &#252;ber Gedichten gedacht</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/fnf-anlufe-nicht-schritte-ber-gedichten-gedacht</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/fnf-anlufe-nicht-schritte-ber-gedichten-gedacht#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 17 Apr 2001 11:04:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ron Winkler</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/fnf-anlufe-nicht-schritte-ber-gedichten-gedacht/</guid>
		<description><![CDATA[das Gedicht ist der Raum eines heiligen Stotterns.
das Gedicht (an sich) befindet sich auf der Schattenseite einer Definition. es ist Subraum, Zurückgelegtes, Abgeworfenes, ein mit sich ver- und überspultes Tonband, Möbiusfläche.
wenn man Lyrik zu fassen versucht, betritt man einen Raum ums Oder. was Lyrik ist, wird kaum holistisch zu erklären, in eine Abfolge von Sentenzen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>das Gedicht ist der Raum eines heiligen Stotterns.</p>
<p>das Gedicht (an sich) befindet sich auf der Schattenseite einer Definition. es ist Subraum, Zurückgelegtes, Abgeworfenes, ein mit sich ver- und überspultes Tonband, Möbiusfläche.</p>
<p>wenn man Lyrik zu fassen versucht, betritt man einen Raum ums Oder. was Lyrik ist, wird kaum holistisch zu erklären, in eine Abfolge von Sentenzen zu bringen sein. Erklärungen kommen nicht ohne vielstellige Wortanläufe aus.</p>
<p>das Gedicht erweist sich immer wieder als Gespinst. Sem-spinst. Zeichendreher. Zeitquerer. es ist in Beschleunigung oder -ruhigung. ein überfremdeter überfremdender Schutt Mosaik Körper. Hirnbirg oder Augenwerk. Erfahrungs-Wieder-Arena. Katasterstelle. Weltstelzung (Spelzung) Zunge.</p>
<p>für den Dichter wichtig, um weiterleben zu können. nach einer abgeschlossenen Suche eine neue zu beginnen, oder eine unbeendete fortzuführen. die Suche neu zu sichten.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/fnf-anlufe-nicht-schritte-ber-gedichten-gedacht/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>EIN PAAR KURZE BEHAUPTUNGEN DAR&#220;BER WIE EIN GEDICHT SEIN SOLLTE</title>
		<link>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/ein-paar-kurze-behauptungen-darber-wie-ein-gedicht-sein-sollte</link>
		<comments>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/ein-paar-kurze-behauptungen-darber-wie-ein-gedicht-sein-sollte#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 15 Mar 2001 23:13:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Falb</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.metroprolet.net/wordpress/aktuell/ein-paar-kurze-behauptungen-darber-wie-ein-gedicht-sein-sollte/</guid>
		<description><![CDATA[1 Lyrik ist natürlich zusammengesetzt, sowohl was die Herstellung als auch was die Rezeption angeht. Und wenn man versucht, poetologische Aussagen zum Gedicht zu machen, d.h. wenn man eine Art Theorie des guten Gedichts aufstellen will (darum geht es letztlich), hat man es sofort mit einer vor allem sozialen Gemengelage zu tun, in der man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1 Lyrik ist natürlich zusammengesetzt, sowohl was die Herstellung als auch was die Rezeption angeht. Und wenn man versucht, poetologische Aussagen zum Gedicht zu machen, d.h. wenn man eine Art Theorie des guten Gedichts aufstellen will (darum geht es letztlich), hat man es sofort mit einer vor allem sozialen Gemengelage zu tun, in der man selbst agiert, was ja seinen Reiz hat. Diese kann Gegenstand z.B. soziologischer Beschreibung sein.</p>
<p>2 Das Gedicht eignet sich nun sicher nicht zur irgendwie systematischen Informationserhebung. Es greift auf Informationen zurück, forscht aber nicht: die analytischen Werkzeuge des Gedichts sind begrenzt. Auch die sprichwörtliche brennglasartige Zuspitzung bestimmter Sachverhalte im Gedicht ist keine Untersuchung, keine Diskussion, sondern eventuell witzig, banal und (vielleicht) weise, also aphoristisch. Was die Informationsübertragung angeht, gibt es sicher Varianten, gibt es ein ziemlich ausgreifendes Feld zwischen Projektion und Konstruktion; wobei die Extreme als solche wohl eher langweilen. Die Möglichkeit des Gedichts besteht also schlicht darin, mit der Aufmerksamkeit der Leserschaft (sofern vorhanden) für einen Moment hauszuhalten; es bleibt dabei immer Vorwort.</p>
<p>3 Ästhetische Aussagen gehen auf Befindlichkeiten zurück; deswegen ist alles am Gedicht Ästhetik. Das gilt fraglos für die Kriterien vermeintlich poetischer Gegenstände, für lyrisches Jargon und dergleichen. Es gilt aber eben auch für die Inhalte selbst; diese sind ebenfalls durch und durch Ästhetik; Sozialreportage im Gedicht ist Ästhetik, die sog. letzten Fragen sind Ästhetik. Und selbst noch die Absicht des Textes, sofern ersichtlich, ist gewissermaßen ein Stilmittel. Der Aufruf zu Revolution ist im Gedicht ein unter Umständen sehr klug gewähltes Motiv, kann etwas sehr Schönes sein.</p>
<p>4 Das Gedicht ist also Genußmittel. Und gerade weil es als Form so überfrachtet, ja fast monströs, jedenfalls aber eigentlich ungenießbar ist, wird die Lust zu genießen und (mit sehr großer Geste gesagt) im Absurden eine extreme Kennerschaft und Kultur auszubrüten, noch verstärkt. Dabei ist Lyrik nicht elitär, sondern einfach völlig partikular, wie eine abseitige Sportart, die allenfalls bei eurosport in den frühen Morgenstunden überhaupt gezeigt wird.</p>
<p>5 Klar und trotzdem bezeichnend, dass das Gedicht gleichzeitg produziert und dokumentarisch ist. Das Dokumentarische kann ja durch keine Reflektiertheit aufgehoben werden. D.h. das Gedicht hat eine völlig kunstlose Dimension. Kunst ist die Innenperspektive; das einfache Vorhandensein, das Materialsein ist eine Aussenperspektive. Lyrik kann als Lyrik gelesen werden, indem man sich nach innen begibt und das Kunstwollen nicht hintergeht; und ebenso als Dokument dieser Innenperspektive.<br />
Ein schöner Gedanke: dass die kulturelle Anstrengung mit der Zeit irgendwie nach innen verschwindet und das Gedicht sich neben Bedienungsanleitungen für Haushaltsgeräte und Kriegsreportagen als Texthorizont gemeinsamen Datums aufschichtet.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.metroprolet.net/wordpress/poetik/ein-paar-kurze-behauptungen-darber-wie-ein-gedicht-sein-sollte/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
