Julia Kissina - “Vergiss Tarantino”

29. Mai 2006 | Von User Imageder metroprolet | Kategorie: buch & film

Vergiss Tarantino

Julia Kissina: Vergiss Tarantino
Aus dem Russischen von: Ganna-Maria Braungardt
Erschienen bei: Aufbau-Verlag | 2005
Gebunden, 208 Seiten, 16,90 Euro

| metroprolet. Ob Lenin im Supermarkt im zuge einer Sex- und Sauforgie reanimiert wird, oder “Jesusse” gleich im Doppel darniederfahren, Kissina versteht es Geschichten zu erzählen, die nicht mehr scheinen wollen, als sie sind, und eben darum genau dieses erreichen. Weitab vom pseudorealistischen Alltagskitsch des ewigen Dauerkolumnisten Kaminer, findet Wirklichkeit in Kissinas Geschichten als das statt, was sie für ihre Charakter ist: gefilterte, inkriminierte und überhöhte Wahrnehmung. Nur scheinbar sind ihre Protagonisten typisch russische Aussenseiter in einer typisch deutsch absurden Umwelt - es sind Gestalten, die ihre Geschichte wert sind, eben weil Sie eine haben. Wer will schon noch Kunstgeschöpfe mit ihren allzumeist rein literarischen Luxusproblemchen beobachten, wie sie nicht nur den deutschen Literaturkindergarten überbevölkern? Auch wenn sich Kissinas Charaktere schon mal wie Don Quichote in absurde Schlägereien auf einer Blut- und Bodenlosen Stripteaseperformance stürzen, nie hat man das Gefühl, das Kissina ihre Figuren bloßstellt, auch wenn sie sie auf dem Hacktisch der literarischen Wurstfabrik ohne falsche Eitelkeiten zerlegt.

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