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	<title>der metroprolet im exil &#187; hendrik</title>
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		<title>Metarealist &#8211; ein Nachruf von Hendrik Jackson zum Tode von Alexej Parschtschikow</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Apr 2009 08:32:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hendrik</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Metarealist
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch vergangener Woche starb in Köln mit  Alexej Parschtschikow einer der wichtigsten Lyriker Russlands. Er wurde der so  genannten Strömung der „Metarealisten“ zugerechnet, der in den  achtziger Jahren aufregendsten Gruppierung neuerer russischer Lyrik. Zu der Gruppe  zählt man außer Parschtschikow noch Alexander Eremenko, Iwan Shdanow [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Metarealist</strong></p>
<p>In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch vergangener Woche starb in Köln mit  Alexej Parschtschikow einer der wichtigsten Lyriker Russlands. Er wurde der so  genannten Strömung der „Metarealisten“ zugerechnet, der in den  achtziger Jahren aufregendsten Gruppierung neuerer russischer Lyrik. Zu der Gruppe  zählt man außer Parschtschikow noch Alexander Eremenko, Iwan Shdanow  und Ilja Kutik.<br />
Alexej Parschtschikow, 1954 geboren, studierte in Moskau und Stenford (USA) Literatur.  Sein erster Band „Formen der Intuition“ erschien 1989 in Moskau. Er  erhielt in den letzten Jahren zahlreiche Preise und lebte seit 1995 in Köln.<br />
Ende Herbst wird endlich auch in Deutschland ein Band mit Gedichten Parschtschikows  erscheinen (kookbooks).</p>
<p>Im Gegensatz zu den irrational wilden Versen eines Shdanow ist der „Metarealismus“  Parschtschikows der genauen Beobachtung verpflichtet. Zwar galten seine Verse  oft als dunkel, sie sind jedoch eher überladen und verdichtet, inspiriert  von Malerei und Philosophie. Sein Schreiben basierte auf dem Aufspüren innerer  und visueller Ähnlichkeiten. Seine Vergleiche zielten nicht auf Effekte und  auch nicht auf rauschhafte surreale Momente, sondern darauf, neue und wesenhafte  Verbindungen zwischen Wörtern und Dingen herzustellen und zu entdecken.<br />
Er glich dabei, in seinen eigenen Worten aus seinem vielleicht großartigsten  Poem „Erdöl“, einer Wahrsagerin, die „mit dem Finger über  den Globus fährt und dabei die Tiefseekabelverbindungen für Fluglinien  hält“. Er flog diese unterirdischen Verbindungen der Wortarchipele  mit einer Geschwindigkeit ab, die betäubend wirken konnte. Eine Dichtung  der Zwischenräume, „dort, wo die Flüsse umgepolt werden“.<br />
In seiner Lyrik wurde eine schöne Begeisterungsfähigkeit spürbar,  wenn er aus den kleinsten Beobachtungen Bild um Bild entfaltete.</p>
<p>Auch wenn der Einfluss der Metarealisten in den letzten Jahren in Russland abnahm,  da man sich mit ihnen als mit „lebenden Klassikern“ verdächtig  arrangiert hatte, so gibt es doch kaum einen Dichter und schon gar keine dichterische  „Schule“ in Rußland, die bisher an ihre Stelle hätte treten  können.<br />
Traurigerweise vollzog sich nun auch an Alexej Parschtschikow das scheinbar unvermeidliche  Schicksal großer russischer Dichter, die immer zu früh und meist unter  tragischen Umständen sterben. Er wäre in diesem Jahr 55 geworden und  wird der russischen Lyrik mehr fehlen, als es ihr bisher bewusst geworden ist.<br />
<em><br />
Hendrik Jackson</p>
<p>7.4.2008 Erstabdruck FAZ<br />
Original gepostet auf <a href="http://www.lyrikkritik.de" target="_blank">Lyrikkritik.de</a> &#8211; der Seite von Hendrik Jackson</em></p>
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		<title>Raufbild aus Affe und Stern &#8211; Über die Vergabe des Huchel-Preises an Gerhard Falkner</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Mar 2009 11:16:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hendrik</dc:creator>
				<category><![CDATA[archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Falkner]]></category>
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		<category><![CDATA[lyrikkritik]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Text wurde mit der freundlichen Gehnemigung von Hendrik Jackson auf diesem Blog weitergebloggt.
Das Original finden sie auf lyrikkritik.de unter http://www.lyrikkritik.de/falkner_huchelpreis.html.
Raufbild aus Affe und Stern
Über die Vergabe des Huchel-Preises an Gerhard Falkner 
Der Peter-Huchel-Preis für &#8220;einen herausragenden Lyrikband des Jahres&#8221;
gilt als der vielleicht wichtigste Lyrikpreis in Deutschland. Betrachtet man
die Liste der Preisträger, so ist dieses [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Dieser Text wurde mit der freundlichen Gehnemigung von Hendrik Jackson auf diesem Blog weitergebloggt.<br />
Das Original finden sie auf <a href="http://www.lyrikkritik.de" target="_blank">lyrikkritik.de</a> unter <a href="http://www.lyrikkritik.de/falkner_huchelpreis.html" target="_blank">http://www.lyrikkritik.de/falkner_huchelpreis.html</a>.</p>
<p align="center"><strong>Raufbild aus Affe und Stern</strong></p>
<p><strong>Über die Vergabe des Huchel-Preises an Gerhard Falkner </strong></p>
<p>Der Peter-Huchel-Preis für &#8220;einen herausragenden Lyrikband des Jahres&#8221;<br />
gilt als der vielleicht wichtigste Lyrikpreis in Deutschland. Betrachtet man<br />
die Liste der Preisträger, so ist dieses Renommee zum Teil nachzuvollziehen.<br />
Das Preisgeld hingegen wirft ein bezeichnendes Licht auf die Verhältnisse,<br />
die man den besten Lyrikern hierzulande zumutet (es gibt zwar eine Menge anderer<br />
Preise, die sind aber durchweg noch dürftiger dotiert). 10.000 Euro, das<br />
würde nach Rechnung des Berliner Finanzministers auf Hartz-IV-Niveau immerhin<br />
an die drei Jahre zum Leben reichen. Nimmt man hingegen dessen eigenes Lebenshaltungsniveau<br />
als Maßstab, so dürfte sich der Preisträger mit dem Geld gerade<br />
ein paar Wochen über Wasser halten können.</p>
<p>Die Geschichte des Preises war in den letzten Jahren von einigen Kuriositäten<br />
geprägt. Da wurde der Preis einmal an einen alten Jugendfreund eines Juroren<br />
vergeben, ein andermal erhielt ein Toter die Ehrung, und wie in einer Art Gegenreaktion<br />
im Jahr drauf eine Debütantin. All diese Entscheidungen hatten ihr Für<br />
und Wider. Unbestritten blieben hingegen die Entscheidungen für Oswald<br />
Egger (die wie die Wahl Falkners werkimmanent gesehen etwas spät kommt)<br />
oder Ulf Stolterfoht.</p>
<p>Die diesjährige Vergabe an Gerhard Falkner für seinen Band &#8220;Die<br />
Hölderlin-Reparatur&#8221; wirft wiederum ein paar Fragen auf. Falkners<br />
öffentlicher Laudator und guter Freund, das diesjährige Jurymitglied<br />
Peter Geist, klagt schon seit längerem mit Vehemenz einen großen<br />
Preis für Falkner ein. Der erhielt zwar einige Preise, der Huchelpreis<br />
stand aber sozusagen noch aus.</p>
<p>Als Falkner nach einer längeren Art Auszeit mit dem Band &#8220;Endogene<br />
Gedichte&#8221; zurückkehrte in den oft von ihm kritisierten Literaturbetrieb,<br />
da bekam der verdienstvolle Oskar Pastior den Huchel-Preis. Das dürfte<br />
Falkners Energien nicht gedämpft haben: Im selben Jahr nämlich machte<br />
er sich mit den jungen Autoren Björn Kuhligk und Jan Wagner daran, ein<br />
&#8220;Porträt einer ganzen Generation&#8221; zusammenzustellen und als Anthologie<br />
&#8220;Lyrik von Jetzt&#8221; bei Dumont unterzubringen. Die Folgen und anschließenden<br />
Auseinandersetzungen dürften zumindest unter Lyriklesern bekannt sein.</p>
<p>Falkner mischt sich immer wieder ein und ist einer der Autoren, die zu den<br />
jüngeren Autoren regen Kontakt halten. Zuletzt in der <em>bella triste</em><br />
oder aktuell in der <em>Sprache im technischen Zeitalter</em>. Dabei scheut er<br />
nicht klare Worte oder Kritik. Seine markigen und pointierten Bemerkungen leben<br />
von einem Furor, in dem sich die Empfindsamkeit des (egomanen?) Künstlers<br />
mit dem gerechten Zorn auf alles Laue und Halbherzige mischt. Besonders Filz,<br />
Mittelmaß und wohlkalkulierte Hypes um Nichts erregen seinen Widerwillen.<br />
Kaum ein Dichter unter den Zeitgenossen lebt so aus dem utopischen Ansatz einer<br />
anderen Vehemenz, eines anderen Pathos, das zu leben wäre.</p>
<p>Großartig wird diese Haltung, wenn sie wie in seinem Buch über die<br />
Jagd eines Literaten auf den Bären Bruno, zu selbstironischen Mitteln greift<br />
und die (gesellschaftliche) Aussichtslosigkeit des hohen Anspruchs oder gar<br />
den eigenen Verfall in literarische Zitatverfahren einzubetten und des Autors<br />
Tapsigkeit auszustellen weiß. &#8220;Blödigkeit&#8221; (Hölderlin)<br />
des Dichters fällt ineins mit dem Bewußtsein, Letzter seiner &#8220;eigenen<br />
Art&#8221; zu sein.</p>
<p>Die sich aber zuweilen nicht so sehr von der Art der anderen unterscheiden mag.<br />
Wenn Falkner nämlich in der <em>bella triste</em> scheinbar distanziert bezüglich<br />
des Umgangs mit Kritik im Betrieb konstatiert, es sei &#8220;wie im Urwald&#8221;,<br />
ahnt man, dass er weiß, wovon er spricht: Rast nicht bei jedem an ihm<br />
vorbeigereichten Preis sein Gorillaherz und bebt nicht bei jedem &#8220;falschen&#8221;<br />
Lob sein &#8220;innerer&#8221; Dschungelboden bereits?</p>
<p>Davon geben nicht nur seine Statements und Essays Zeugnis, sondern auch die<br />
Tatsache, dass er wie wohl kein anderer Dichter in Deutschland um den Huchelpreis<br />
gebuhlt hat, während er Invektiven gegen seine Preisträger säte.<br />
Zugleich betreibt er die Kanonisierung und Verklärung seines Werks: So<br />
befand er vor einiger Zeit, alle innovativen Sprechweisen in der jungen deutschen<br />
Lyrik gingen auf ihn zurück. Der erwähnte Peter Geist, sonst auch<br />
als Kritiker tätig, gibt ihm dazu die feuilletonistische Rückendeckung.<br />
Wenn dessen Lobgesänge (&#8220;Jahrhundertpoem&#8221;) dann aber im Klappentext<br />
von Falkners neuem Band zum allgemeinen Tenor der Kritik hochstilisiert werden<br />
und es dort weiter heißt, Falkners Buch probiere einen Beziehungsreichtum,<br />
wie er &#8220;seit Pound vielleicht nicht einmal mehr versucht wurde&#8221;, schließt<br />
das nicht nur genau an jene kalkulierte Verblödung an, die Falkner immerzu<br />
geißelt, sondern auch an die von ihm inkriminierte Betriebswurschtelei.</p>
<p>Das macht Falkners ja unterhaltsamen und scharfzüngigen Polemiken, vor<br />
allem, wo sie sich gegen andere Autoren richten, ein wenig zweischneidig: Irgendwie<br />
erinnert er da an einen Autofahrer, der sich rings (Fahrer der eigenen Marke<br />
ausgenommen) von Idioten umgeben wähnt.</p>
<p>Doch er selbst weiß um diese Ambivalenz am besten: &#8220;MEINE AUGEN STAUNEN<br />
MANCHMAL/ ÜBER MEINEN MUND/ DER UNTER IHNEN SICH AUFTUT/ WÄHREND SIE<br />
MITANSEHEN MÜSSEN/ WIE ER SPRICHT/ EINFACH IST DAS FÜR DIE AUGEN NICHT.&#8221;<br />
Und gleicht er in seinem Pendeln zwischen dichterischer Empfindsamkeit, Rauflust<br />
und Größenwahn nicht tatsächlich, wieder Selbstzitat: einem<br />
&#8220;Raufbild aus Affe und Stern&#8221;? (beide Zitate aus: Zwischen den Zeilen<br />
9)</p>
<p>Schlimmer als Falkners doch leidenschaftliches Berserkertum ist aber das fast<br />
völlige Ausbleiben von Reaktionen. Lediglich von zwei jüngeren Autoren<br />
(André Rudolph, Steffen Popp) gibt es zu dem &#8220;Phänomen&#8221;<br />
Falkner einige Auslassungen. Mancher mag Besseres zu tun haben, als sich um<br />
eine Polemik zu kümmern, die immer wieder droht, leerzulaufen. Nichtsdestotrotz<br />
spricht Falkner doch in vielen Punkten Dinge von erheblicher Relevanz an.</p>
<p>Wo es ans Eingemachte geht, ziehen es die meisten vor, in ihrem Trott zu verharren.<br />
Wenn schon konkret-gesellschaftlich nichts mehr geht, warum sollte man sich<br />
dann in der Lyrik aufregen? Allgemeine Anämie scheint das hervorstechendste<br />
Merkmal der Zeit. Vielleicht lebt Radikalität ja weiter, aber meist im<br />
Verborgenen oder in der stillen Arbeit. Vielen ist die Vehemenz, die Wut Falkners<br />
fremd.</p>
<p>Falkners gesellschaftliche und literarische Kritik stellt aber für sein<br />
Werk die (Negativ-)Folie dar, von der sich der (poetische)Entwurf abhebt. Dieser<br />
wird getragen von einem Anliegen, das, bei aller komplexen Verweisdichte und<br />
Themenvielfalt, um Wahrhaftigkeit oder Authentizität ringt. Gewisse Widersprüchlichkeiten<br />
innerhalb dieses Komplexes von Dichtung und Wahrheit gehören vermutlich<br />
zwangsläufig dazu.</p>
<p>Falkners Verfahren sind aber nicht immer so neu, wie er es glauben machen möchte.<br />
Man muss gar nicht Pound bemühen. Manche der Mittel muss man fast als gängig<br />
beschreiben (zum Beispiel Hoch- und Alltagssprache aufeinanderprallen zu lassen).</p>
<p>Erst recht, wenn man an Kunst oder Film denkt: Zu dem prämierten Band &#8220;Die<br />
Hölderlinreparatur&#8221; fallen einem sofort die &#8220;Hölderlin-Comics&#8221;<br />
des Cineasten Harald Bergmann ein, der auf filmischer Ebene mit ähnlichen<br />
Mitteln an einer Hölderlin-Reparatur gearbeitet hat (abrupte Schnitte,<br />
kontrastierende Lakonie, Zitate, Simulationsverfahren bezüglich der hölderlinschen<br />
Werkausgabe).</p>
<p>Ergänzend zu der bisherigen Rezeption des Bandes (Jurybegründung,<br />
<em>poetenladen</em>, <em>EDIT</em>), sollte man also betonen, dass Kraft und auch<br />
Risiko von Falkners Poesie eher (als im Konzept) in den Bildern und wachen Beobachtungen,<br />
in der ihm eigentümlichen sprachlichen Prägnanz zu finden sind: In<br />
seinem Band entfaltet sich &#8211; von fast altmodisch beseelten Zeilen über<br />
Polemik bis hin zur absichtsvoll platten Parodie &#8211; auf unterschiedlichen Ebenen<br />
und Niveaus ein lyrisches Denken, das &#8211; vom Aussterben bedroht &#8211; mit dem Huchelpreis<br />
nun unter Artenschutz gestellt wurde.</p>
<p><em>Hendrik Jackson</em></p>
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		<title>Geschützt: Krieg der Manifeste</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Feb 2009 18:01:30 +0000</pubDate>
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