Doris Dörrie – Bin ich schön – zum 2. Mal ertragen
Es gibt Filme, die entbehren nicht nur der filmischen Ästhetik – so auch Doris Dörrie’s – Bin ich schön. Was hilft da jedes exotische Setting, gleich ob Spanien oder Japan (wie im letzte Machwerk Hanami), wenn es doch so überhaupt nichts an Notwendigkeit für die erzählte Geschichte hat, die ja eigentlich nur nach Hinterkotschenbröda, also München, gehört. Exotismus eben – reines Ornament.
Die Hoffnung, das die Gesichter der Schauspieler dort Blut und Glaubwürdigkeit in einen Plot bringen, wo dieser, Blutarm und richtig deutsch in seinem Mangel an jeder Leidenschaft, also in der leeren Sehnsucht nach wirklichem Leiden sich auf eingesprochen Offkommentare und Cantochondo singende Franka Potente’s verlässt, muss wohl scheitern.
Was helfen da die richtig (also längs) aufgeschnittenen Venen der Geliebten in der Dusche des eigentlich seine Frau liebenden und eben darum! (sic!) seine Frau betrügenden Ehemannes, wenn seine Liebe ein so flacher Furz ist, das man diese dem Zuschauer in Sprechblasen erklären muss? Was helfen da alle Details über Dinge, die offensichtlich weder den Schauspielern noch den Zuschauern irgendwie nahe gehen? Und was mag sich der Zuschauer noch erhoffen von einem Film, der gleich mit einem (schlechten) Filmzitat – auf der Hand fliegende Wolke a la Amelie – beginnt.
Doris Dörrie – Bin ich schön – zum 2. Mal ertragen bedeutet nur einen Erkenntnisgewinn – das die Fotoromanzen aus der Bravo und anderen Blättchen samt ihrem Exotismus und Leiden a la Sprechblase wohl eine Art pubertierende Notwendigkeit und die unaufdringlichere Ästhetik samt 3 Groschen Preis für sich verbuchen können, aber als Film für 10 bis 14 Jährige nicht mal mehr das Sentiment wert sind, das die heulende erste Liebe im Kinosessel neben einem bei sich erregte, während man selber tapfer sein Lachen unterdrückte.
Die einzige Figur, die im Film glaubwürdig funktioniert, eben weil sie nichts darin zu suchen hat (und ihr keine Sprechblase verpasst wurde a la ich würde so gerne Tanzen), ist und bleibt die alte, von einem Schlaganfall gelähmte Oma – zufällig unterwegs gefunden und mitgeschleppt.
Blasiert – das ist wohl das Wort für derlei Filme oder auf Französsisch (wir mögens ja gern mal exotisch) Blasé.
Bin ich schön ist auch noch der falsche Titel – Bin ich müde hätte die Fotoromanze besser gehiessen.
Aus der Programmankündigung
Do, 26. Feb · 00:35-02:25 · Das Erste (ARD)
Bin ich schön?
Beschreibung:
Zwischen der flirrenden Hitze Spaniens und der kalten Metropole München erzählt der Episodenfilm von einer Vielzahl höchst unterschiedlicher Menschen, deren Lebenswege auf wundersame Weise miteinander verbunden sind. Da ist zum Beispiel eine junge, attraktive Frau, die als Anhalterin durch Spanien trampt und dabei auf bizarre Männer trifft; ein älterer Herr, der seine Frau betrügen will und unvermittelt einer Selbstmordkandidatin das Leben retten muss; eine Ehefrau, die in aller Eile noch vor Ladenschluss einen Kaschmirpullover kaufen will – und der es deshalb gar nicht in den Kram passt, dass ihr Mann sie auf einmal verführen will. “Bin ich schön?” ist eine Tragikomödie von Doris Dörrie. Zum großen Star-Ensemble gehören Franka Potente, Senta Berger und Joachim Król. An einem heißen Nachmittag in der spanischen Provinz nimmt Werner (Gustav Peter Wöhler) die junge Anhalterin Linda (Franka Potente) mit, die offenbar taubstumm ist. Wenig später landen die beiden gemeinsam in einem Hotel, wo Werner Linda bittet, ihm mit einem Gürtel den Hintern zu versohlen. Unterdessen ruft im Nebenzimmer der liebeskranke Klaus (Steffen Wink) seine Exfreundin Franziska (Anica Dobra) in München an. Die steht jedoch gerade in einer Boutique, in der sie als Verkäuferin arbeitet, und reagiert abweisend auf seine Avancen. Auch ihre Mutter Rita (Iris Berben) ist in der Stadt unterwegs. Sie will unbedingt einen bestimmten Kaschmirpullover kaufen, muss zuvor aber das nötige Bargeld besorgen. Es ist kurz vor Ladenschluss, Rita eilt nach Hause – wo ihr Mann Fred (Oliver Nägele) sie ausgerechnet jetzt zum Sex drängt. Unterdessen ist Linda wieder als Anhalterin unterwegs. Diesmal wird sie von dem sympathischen Bodo (Uwe Ochsenknecht) mitgenommen, der eigentlich auf dem Weg zu seiner Frau Lucy (Suzanne von Borsody) nach Sevilla ist – und sich trotzdem von Linda, die plötzlich doch sprechen kann, verführen lässt. Zur gleichen Zeit werden Vera (Heike Makatsch) und Felipe (Juan Diego Botto) am Flughafen von drei Schlägern überfallen. Nach der Tat begegnet die verstörte Vera der Althippie-Lady Tamara (Gisela Schneeberger), die sie in ein wunderliches Gespräch über Ehe, alte Zeiten und Augentropfen verwickelt. In München spielen sich derweil Ehedramen ab: Zwischen Robert (Joachim Król) und Charlotte (Nina Petri), die den Seitensprung ihres Mannes noch immer nicht verwunden hat, eskaliert mitten im Stau ein Streit, der damit endet, dass Charlotte aus dem Wagen steigt und davonlaufen will. Charlottes Vater Herbert (Gottfried John) hat indes ganz andere Probleme. Da wollte er die Shopping-Tour seiner Gattin Unna (Senta Berger) für ein Schäferstündchen mit der Studentin Jessica (Elisabeth Romano) nutzen – und steht vor einer Katastrophe, als die junge Frau sich plötzlich die Pulsadern aufschneidet. Bei Franziskas Hochzeit mit Holger (Michael Klemm) schließlich, von der die junge Frau nicht wirklich überzeugt ist, treffen einige dieser seltsamen Charaktere zusammen – und es wird klar, dass manche von ihnen sich ihren Lebenslügen stellen müssen, während andere nicht mehr anders können, als sich ihrem Schicksal zu ergeben. Im Guten wie im Schlechten. Basierend auf ihren Kurzgeschichten hat Doris Dörrie (“Kirschblüten – Hanami”) mit “Bin ich schön?” einen ebenso komplexen wie unterhaltsamen Ensemblefilm inszeniert. Mit leichter Hand verknüpft sie die Episoden zu einem tragikomischen Panorama menschlicher Befindlichkeiten. Zum großen Star-Ensemble des preisgekrönten Films gehören Franka Potente (“Die Bourne Identität”), Joachim Król (“Unkenrufe”), Nina Petri (“Emmas Glück”), Heike Makatsch (“Schwesterherz”), Iris Berben (“Die Buddenbrooks”), Gustav Peter Wöhler (“Stellungswechsel”) und Steffen Wink (“Barfuss”).
Origin/ Production year
D 1998
Director
Doris Dörrie
Script
Doris Dörrie, Rolf Basedow und Ruth Stadler
Actors
•
Senta Berger
Unna
•
Gottfried John
Herbert
•
Iris Berben
Rita
•
Oliver Nägele
Fred
•
Suzanne von Borsody
Lucy
•
Uwe Ochsenknecht
Bodo
•
Franka Potente
Linda
•
Anica Dobra
Franziska
•
Dietmar Schönherr
Juan
•
Heike Makatsch
Vera
•
Steffen Wink
Klaus
•
Maria Schrader
Elke
•
Nina Petri
Charlotte
•
Joachim Król
Robert
•
Juan Diego Botto
Felipe
•
Otto Sander
David