DER TORPEDOKÄFER
FRANZ JUNG — EINE DEUTSCHE REVOLUTION.
Ein Essay von Herbert Braun (www.woerter.de) u.a. publiziert in WORK|OUT ausgabe 06 | sommer 2001
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Bitte um Aufmerksamkeit.
Wenn man den Gründen der überheblichen Unfähigkeit deutscher Schriftsteller nachgehen will, so kann man bei einer solchen Untersuchung die letzten 70 Jahre unberücksichtigt lassen. (1)
Man ist versucht, diese Worte vom heutigen Standpunkt aus zu lesen und unter Umgehung von einem Lebensalter literarischer Zweitklassigkeit in Deutschland den kulturkritischen Hebel in der ausgehenden Weimarer Republik anzusetzen. Doch die mit dieser kämpferischen Geste eingeleitete Schrift, Gott verschläft die Zeit, stammt aus dem Jahr 1920. Jung geht zurück bis zu den Wahlverwandtschaften, um die Misere bloßzustellen. Der Punkt, an dem er das von Goethe „unerreicht“ vorgeführte Verlogene, Heuchlerische, Unfertige, Anmaßende, Gewalttätige, weil Feige im deutschen Wesen angreift, ist die unerhört ekelhafte Beziehungssituation zwischen Mann und Frau. Der Geist von Klassik und Romantik ist nicht zu trennen von dem Mief einer verkrüppelten Kultur, die blaue Blume kann auf dem Misthaufen nicht gedeihen. Die literaturkritische Vorrede gipfelt in einem leidenschaftlichen Aufruf zur Revolution: Continue reading »